
Im Haus der vielen Namen:
Musikverein im KOMM – K4 – Künstl*haus
KOMM – Das ganze Haus in Selbstverwaltung
Seit es uns gibt, sind wir Teil eines sehr spannenden Hauses: 1973 wurde das KOMM, wie es damals hieß, als eines der ersten soziokulturellen selbstverwalteten Kulturzentren in Deutschland eröffnet. 1976 gründete sich darin der Musikverein. Im wunderbar wilden Rahmen des KOMM trafen Menschen aufeinander, die sich für die verschiedensten Dinge engagierten: politische Gruppen, Seniorengruppen, Werkstätten, Theater/Kino/Konzert-Gruppen und mehr. Und sie trafen nicht nur aufeinander, sondern waren basisdemokratisch selbstorganisiert und diskutierten alles aus, was Entscheidungen über ihr Haus betraf. Selbstermächtigende und (selbst-)kritische Kultur von unten. Das sind unsere Wurzeln, die wir bis heute versuchen weiterzutragen: Each one teach one.
K4 – Teil des Amts für Kultur und Freizeit
1997 beendete die Stadt Nürnberg dieses großartige Experiment und benannte das ganze in “K4” um und das Haus gehörte nun zum Amt für Kultur und Freizeit. Trauriger- und peinlicherweise wurden damals politische Gruppen rausgeworfen, aber die meisten der ganzen weiterhin ehrenamtlich und basisdemokratisch organisierten Werkstätten und veranstaltenden Gruppen konnten bleiben. Auch wenn die Atmosphäre “amtlicher” wurde: der musikverein konnte weiterhin frei sein Programm gestalten und das Zentralcafé, das unser Zuhause darin war, über die Jahre zu einem wichtigen Puls der alternativen Kultur mit oft wagemutigem Programm und Haltung machen. Eine Bühne für kleine befreundete Bands und fette internationale Bookings gleichermaßen, dabei oft dem breiten Geschmack ein paar Jahre voraus, ob bei Konzerten oder Club Nights, purer Hedonismus neben intellektuellem Genuss, Parties und Politics, nicht als Widerspruch, sondern einander gegenseitig befruchtend – das ist der Kern vom Musikverein, der in der Zentralcafé-Ära groß wurde.

Künstl*haus – “Künstlerhaus” im Kunstkulturquartier
2008 wurde das Haus Teil der neugeschaffenen städtischen Dienststelle “Kunstkulturquartier” und die Atmosphäre wurde hierarchischer und bürokratischer. In diesem Zug wurde das Haus schon wieder umbenannt: „Künstlerhaus“ ist bis heute der offizielle Name, in einer konservativen Rückbesinnung auf den ursprünglichen Namen des Gebäudes von 1910 (CSU halt… ). Natürlich sollte damit auch die Selbstverwaltungsgeschichte und politische Skandale wie die Massenverhaftung ein Stück weit verdrängt oder klein gemacht werden: als nur winziger, quasi unbedeutender Teil der langen Geschichte des Hauses. Das finden wir nicht gut und uns stößt auch die Künstlerinnen ausschließende Form des Namens ab. Wir nennen deswegen das Haus lieber Künstl*haus oder Künstler*innenhaus, weil so eine konservative Rückbesinnung gegen unsere Werte und Kulturideen steht. Viele Gäste sagen aber auch eh immer noch K4 oder KOMM dazu.

Kantine-Zeiten – Feuer, Pandemie und endloser Umbau
2018 wurde der musikverein aus dem Zentralcafé rausgeschmissen, aus dem Ort an dem “wir” uns 42 Jahre lang so tief in die Geschichte der alternativen Kultur eingeschrieben hatten, ein Ort, mit dem sich so viele in dieser Szene identifizierten, ihn gemeinsam als soziale Schnittstelle und spannenden Kulturort geprägt haben.
Diese Verdrängung war ein ganz schöner Genickbruch für den Musikverein: Einige verließen die Gruppe und für den Rest begann eine echt steinige Phase: Wir zogen während des Umbaus in die “Kantine”, einen kleinen, schnell zum Veranstaltungsort umgebauten/umimprovisierten Ausweichort in der Gasse Königstormauer. Nicht ideal, aber es sollte ja auch nur ein kurzzeitiger Ausweichort sein und wir waren dankbar, dass er wenigstens so zentral mitten in der Stadt lag.
Die Kantine-Zeiten waren für den Musikverein eine Phase, die zwar auch viele fantastische Abende mit großartigen Live Acts und DJs und wilden Feiereien und spannende Diskussionen brachte, aber alles in allem sehr von Krisen geprägt war. Harte Schläge wie eine Brandstiftung, die den Club für Monate unbespielbar machte, dann die lange Corona-Zwangspause und alles durchziehend die Trauerarbeit um den Verlust des Zentralcafés mit all seiner gewachsenen sozialen und kulturellen Patina. Es fiel schwer, einen komplett neuen Not-Ort aufbauen zu müssen, im Wissen, dass man da eh bald wieder weg muss. Dazu kam die ungewisse Zukunft, und die frustrierende Tatsache, bei der Gestaltung unseres zukünftigen Clubs, dem Soft Spot (entgegen vorheriger Versprechen) fast komplett ausgeschlossen zu werden. Wir verloren noch mehr Leute und mal ganz ehrlich: Nach all dem ist es ein Wunder, dass es den Musikverein heute noch gibt.
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Was ist dieser „musikverein“ eigentlich?
Wir sind eine Gruppe von Leuten, die in ihrer Freizeit ehrenamtlich/DIY Konzerte, Club Nights, Lesungen und linke/soziale und popkulturelle Bildungsarbeit organisieren und sich um einen eigenen Club, den Soft Spot, kümmern. Wir finden es wichtig, nicht einfach irgendwo zu veranstalten, sondern zu unserer Idee von alternativer Kultur von unten gehört es auch, einen eigenen sozialen Ort zu prägen, zu erhalten und sich kritisch damit auseinanderzusetzen.
Fans und Nerds verschiedenster Musikrichtungen gestalten hier die Kultur ihrer Stadt mit und prägen gemeinsam einen Club nach ihren Vorstellungen. Wir spüren liebend gern neuen und spannenden Strömungen in der Musik nach, und wir lieben es, im Soft Spot einen Ort zu pflegen, an dem Menschen zusammenkommen.
Wir sind über die Jahre immer zwischen 8-20 Mitglieder gewesen.
Pünktlich zum Jubiläum suchen wir derzeit dringend neue Menschen, die bei uns mitmachen wollen.
Schreibt uns, wenn ihr euch das vorstellen könnt!



Konzertfotos: Hanin Elias (Atari Teenage Riot) 2003, HEALTH 2009, Divide & Dissolve 2022
Vor 50 Jahren geschlüpft und immer noch da
Unter dem obskuren Namen “Musikverein” hat sich am 13.05.1976 in Nürnberg eine Gruppe im KOMM zum gemeinnützigen Verein zusammengetan, um dort im Festsaal und Zentralcafé DIY/ehrenamtlich Livemusik zu veranstalten, immer zwischen Chaos, Kompetenz und brennender Liebe zu Musik und basisdemokratischem Organisieren balancierend.
Fast forward 50 Jahre: Das KOMM wurde zum Künstl*haus gezähmt und der Musikverein musste vom Erdgeschoss in den neuen Club SOFT SPOT im 2. Untergeschoss weichen. Er hat während Corona das Filmhauscafé übernommen und zu Konzerten sind längst noch Club Nights, politische Vorträge, Lesungen und vieles mehr dazu gekommen. Chaos, Kompetenz und heiße Liebe zu Musik und basisdemokratischem Organisieren bleiben aber die Sterne, unter denen hier ein zusammengewürfelter Haufen von Menschen seine Art von Nachtleben-Kultur verwirklicht.
Wir feiern den ganzen Herbst unser fünfzigstes und nehmen das zum Anlass, uns hier mal nach und nach ein bisschen näher vorzustellen.












































