Schlagwort: urbane Kultur

  • 01.07.23 Zement & Hannah Grünewald + Ashinoa

    Ein ganz großartiges Doppelpack zweier dancy psychedelic Neo-Kraut-Bands erwartet euch am 1. Juli in der Kantine: Zement & Hannah Grünewald mit ihrer A/V-Show und aus Lyon stoßen Ashinoa dazu, die letztes Jahr ein verdammt gutes neues Album auf Fuzz Club rausgebracht haben!

    Samstag, 01.07.23 Kantine

    Zement & Hannah Grünewald

    + Ashinoa

    Einlass 20:30, Beginn 21 Uhr
    Eintritt: Abendkasse, Zahl was du kannst zwischen 11-18€

    Hannah Grünewald:   Website   Instagram
    Zement: Bandcamp   YouTube „Soil“   YouTube „Goa“   YouTube Hersbrooklyn Live Session   Spotify   Instagram   Facebook

    Mit ihrem Mix aus drehenden motorischen Rhythmen, flirrenden Synths und psychedelischen bis noiseigen Gitarren, erschaffen Zement einen eklektischen Mix aus Neo-Krautrock, Psychedelic, Noise-Rock und EDM. Philipp Hager (Gitarre, Synthesizer, Drum-Machine, Effekte, Flöte) und Christian Büdel (Drums, Percussion) spielen in dieser Kombination seit 2014 als Zement zusammen und sind beide bereits über viele Jahre in verschiedenen musikalischen Zusammenhängen aktiv.

    Auf ihrem dritten Album Rohstoff bleiben Zement der thematischen Bearbeitung ihres Namens treu, erweitern ihren Sound aber um mehr und mehr Facetten aus anderen Genren der elektronischen Musik. Die Synthesizer nehmen mehr Raum ein als früher, Drumcomputer kommen zum Einsatz und man hört zum ersten Mal maschinellen Gesang. So finden sich darauf auch Anklänge an frühen Detroit-Techno und House, aber auch Ausflüge in Free-Jazz Gefilde und Saxophon Improvisationen von Gastmusiker Martin Pirner sind zu hören, ohne sich dabei zu weit vom Grundpuls des Motorik-Beat zu entfernen.

    Die spannende Mischung aus unterschiedlichen musikalischen Einflüssen und qualitativ hochwertigem Songwriting bringt Zement mit Rohstoff auf eine Ebene mit etablierten Experimental-Rockbands wie Maserati, Trans Am oder Föllakzoid. Wer auf den Sound der genannten steht, wird sich hier bestens aufgehoben fühlen. In seiner Kombination aus Autobahn und Hallogallo, Techno und Free Jazz, ist Rohstoff eine konsequente Fortführung und Erweiterung des bisherigen Oeuvres von Zement. Eine endlose Reise für Körper und Geist, ähnlich wie eine Clubnacht.

    Im Jahr 2022 spielten Zement ihre erste Show zusammen mit der langjährigen visuellen Kollaborateurin Hannah Grünewald, die die technischen und ästhetischen Aspekte von Live-Coding, Visual Mapping und Video-Sampling durch multimediale Performances erforscht. Auf dieser Tournee werden sie als audiovisuelles Trio auftreten, wobei der Sound Hannahs Live-Coding und Visuals beeinflussen wird und umgekehrt! Eine endlose Meditation über die Architektur des Geistes und die Bewegung der Körper

    „Zement ist ein Mehl, das Festungen formen kann. Zement ist aber auch eine Band, die Ernst und Spiel zugleich ist.“  (Visions Magazin)
    „This is high modern music, that also has soul.“ (Simon Smith, The Fragmented Flaneur)
    „Mit diesem dritten Album etablieren sich Zement endgültig als Kraut-Powerhouse.“ (beatblogger)
    „It’s just the rhythm of the Zement tribe, it’s Christian and Philipp melting into one entity.“ Sebastian Dyrschka (Otomatik Muziek)
    „A hybrid of Autobahn-inspired early electronic from the school of Kraftwerk and the hypnotic repetition from Krautrock pioneers Neu! Similar to contemporary groups like Föllakzoid and Trans Am, Zement take those inspirations and add in their own ingredients to propel the genre forward. „Rohstoff“ their third full-lenght, has some exciting psychedelic undertones stirred into the cauldron.“ (SlyVinyl)

    Bandcamp   Instagram   YouTube „Vieille Vigne“ (live version)   YouTube „Koalibi“   YouTube „Disguised in Orbit“   Spotify

    Seit ihrer Gründung im Jahr 2015 gehört die vierköpfige französische Band Ashinoa zu den Vorreiter*innen der alternativen Szene in ihrer Heimatstadt Lyon. Ursprünglich mit der Misère Records-Bewegung und dem Kollektiv der Stadt verbunden, unterschrieb die Band 2021 bei dem Londoner Label Fuzz Club Records (Night Beats, Tess Parks, The Underground Youth) und veröffentlichte Anfang 2022 ihr zweites Album „L’Orée“.

    Musikalisch knüpft es an die Debüt-LP „Sinie Sinie“ und die nur auf Vinyl erhältliche Single „Koalibi“ an, während es gleichzeitig einen natürlicheren und organischeren Sound erforscht. Teils perkussiv und tänzerisch, teils hypnotisch und cineastisch fühlen sich die größtenteils synthesizergesteuerten Klanglandschaften von „L’Orée“ sowohl antik als auch futuristisch an, indem sie eine Synthese aus jazzig angehauchtem Krautrock, formwandelnder psychedelischer Elektronik und experimenteller Weltmusik bilden.

    Auf ihren zahlreichen Tourneen durch Frankreich teilten Ashinoa die Bühne unter anderem mit Metz, Flamingods, Tomaga, Warmduscher, Bo Ningen, Kikagaku Moyo, Minami Deutsch und The Holydrug Couple und erwarben sich den Ruf eines beeindruckenden Live-Acts, der sein Publikum mit einer schieren Vielfalt und Intensität des Sounds in seinen Bann zieht.

     

     

     

  • 26.04.23 BIG | BRAVE + Aicher

    Am 26. April könnt ihr euch endlich wieder von Big Brave und ihrem intensiven, minimalistischem Heavy-Drone/Doom/Sludge-Rock/Avantgarde-Rock aus dieser Welt fegen lassen. Verloren im Raum, nur noch Sound, Lautstärke, rohe Emotionen. (Southern Lord Rec., Montreal) Und mit auf Tour kommt Aicher, alias Liam Andrews von My Disco, zum ersten Mal live mit diesem Soloprojekt.

    Mittwoch, 26.04.23 Kantine

    BIG ‡ BRAVE

    + Aicher

    Einlass 20:30, Beginn 21 Uhr
    Eintritt: Abendkasse: Zahl was du kannst zwischen 13-17€, Vorverkauf. zzgl. Gebühr: 13€ Ticketlink

    Website   Bandcamp   YouTube   Spotify   Instagram

    BIG‡BRAVE sind eine Band aus Montreal, die für wahrhaft schwergewichtigen Zeitlupen-Rock steht, für Sludge, Minimalismus, Slowcore, irgendwo Richtung GODSPEED! YOU BLACK EMPEROR, SHELLAC und SWANS. Heavy experimental Rock von Leuten, die schon auch das Feingefühl für doomige Drones und ausgefeilte Feedbackorgien haben.

    Neben doomiger Rhythmik, grollenden Drones und beißendem Gitarrenfeedback als integralem Bestandteil des Klangspektrums sticht vor allem die Stimme von Robin Wattie hervor und macht den Sound von BIG‡BRAVE so unverwechselbar. Diese arbeitet mehr mit Ausdruck und Emotion denn mit klassischen Melodielinien, was auf der einen Seite in ihren introvertierteren, fast lieblichen Momenten einen spannenden Kontrapunkt zur dystopischen Instrumentierung darstellt, sich aber insgesamt absolut harmonisch in den eher atonalen Sound der Band einfügt.

    Ohnehin spielt Dynamik bei ihnen eine kritische Rolle: mal dominiert das zäh und stoisch groovende Schlagzeug, mal frönen die Gitarren solistisch ausufernden Drones, bis wieder die Vocals im Zentrum des Geschehens stehen – und alles das, ohne sich davor zu scheuen, auch Stille ihren Platz einzuräumen. BIG‡BRAVE erforscht die Möglichkeiten wie eine Band klingen kann, während sie konstant den Charakteristika von Songstruktur und -form widersteht – spektakulärer, invertierter Rock, der um einige Größenordnungen fetter klingt, als man es einem Trio zutrauen würde.

    Minimalismus und Instinkt, Struktur/Freiheit und akribisches Timing bilden die Eckpfeiler des prägnanten, rhythmischen Sounds von BIG | BRAVE. Auf ihrem aktuellen Album VITAL hat das Kerntrio Robin Wattie, Mathieu Ball und Tasy Hudson ihr bisher kollaborativstes Album aufgenommen. Die Band kommentiert: „Da wir unsere Zähne in sehr unterschiedlichen musikalischen Hintergründen ausgebildet haben, unterscheiden sich unsere Intuitionen, was einen interessanten Effekt auf unsere individuellen Herangehensweisen und Ohren hat.“  Textlich beschäftigt sich VITAL mit dem Gewicht von „Race“ und „Gender“, mit Ausdauer und dem Umgang mit dem Verhalten anderer Menschen, mit Beobachtung und Protest. Die Band kommentiert weiter: „Dieses Album beschäftigt sich damit, was es bedeutet, in einem rassifizierten Körper durch die Außenwelt zu navigieren und was dies mit der Psyche als Ganzes macht, während wir individuelle Würde innerhalb dieser Realität erforschen.“

    Die ersten Samen wurden 2012 gepflanzt, als Robin Wattie und Mathieu Ball begannen, gemeinsam subtile Ambient-/Minimal-Folk-Songs zu schreiben, ohne ein anderes Ziel als das Experimentieren mit Instrumenten, die ihnen zur Verfügung standen. Als ihr langjähriger Freund Louis Alexandre Beauregard am Schlagzeug dazukam, blieb das Ziel, so zurückhaltend wie möglich zu spielen. Nach einem Zwischenfall, bei dem Watties Akustikgitarre kaputt ging, und nachdem er sich die E-Gitarre eines Freundes als Ersatz geliehen hatte, wurden größere Verstärker, die Ball noch von früheren Bands aufbewahrt hatte, in das Outfit integriert. BIG | BRAVE, die nun die Verstärkung als kompositorisches Mittel nutzten, verloren nie das Interesse an der Kraft des Minimalismus und der Zerbrechlichkeit. Es wurde klar, dass hohe Lautstärken genauso effektiv sein würden wie die geringstmöglichen, und die Gegenüberstellung von beidem wurde zu etwas, das BIG | BRAVE bis heute als ihr Hauptmittel einsetzt.

    Nach dem Weggang von Beauregard im Jahr 2018 reiste die Band mit Loel Campbell am Schlagzeug nach Rhode Island, um eine erste Platte mit Seth Manchester bei Machines with Magnets aufzunehmen. Nach der Veröffentlichung des Albums, als Campbell nicht auf Tournee gehen konnte, stieß Tasy Hudson dazu, und die Band verbrachte den Großteil des Jahres damit, ihr 2019er Album A Gaze Among Them zu touren. Im Jahr 2020 machte sich das Kerntrio Ball, Wattie und Hudson erneut auf den Weg zu Machines with Magnets, um ihre fünfte LP VITAL aufzunehmen, die wieder auf Southern Lord erscheint.

    „BIG|BRAVE are big and oceanic, their music flowing and crashing like waves…Robin Wattie’s clear, piercing vocals, which occupy an emotional zone right at the point between ecstasy and abject despair.“ – PITCHFORK

    „BIG | BRAVE have somehow made a ruthlessly loud record that is also fascinating, and consistently elegant.“ – DROWNED IN SOUND

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    AICHER ist das neueste Projekt des in Kopenhagen lebenden Musikers Liam Andrews. Übersetzt bedeutet AICHER „scharf“, „heftig“ und „bitter (vom Wind)“, und die Bedeutung dieses Titels ist passend. Er arbeitet mit der atonalen und monochromen Ästhetik, zu der er sich hingezogen fühlt, und die Einbeziehung des Ortes und Einfluss der Umgebung der kargen skandinavischen Winter erweisen sich als perfektes Gegengift. Unheimliche Hohlräume voll Wind, Einsamkeit und das Knirschens von Eis unter den Füßen bringen die Klanglandschaft des Nordens auf den brutalistischen Pfad, für den er bekannt ist.

    In den letzten zwei Jahrzehnten hat Andrews mit der Industrial-Band MY DISCO verstärkte Gitarrenmusik erforscht und arbeitet seit kurzem mit Karl O’Connor (Regis, Downwards Records) und Boris Wilsdorf (Einstürzende Neubauten) als EROS zusammen. Die Arbeiten von AICHER konzentrieren sich auf die Wiederverwendung von Nebengeräuschen. Er stützt sich auf seinen Katalog von bereits Der Künstler greift auf sein Archiv an bereits aufgenommenem Material zurück (mit E-Bass als dominierendem Instrument) und übersetzt es in Kompositionen mit detailliertem Feedback-Ausdruck und tiefstem Klangdruck.

    Das Ergebnis ist eine Sammlung von Klangbewegungen, die sich mit generativer Computersoftware neu vorgestellt wurden. 2023 wird AICHER das zum ersten Mal als Live-Performance umsetzen.

     

  • CURE presents: PRISON RELIGION

    Samstag, 29.06.19 Kantine

    CURE presents:

    PRISON RELIGION

    live (Halcyon Veil, USA)

    IN MY TALONS

    live (Amen, Wien)

    + DJs:

    Philip Manthey
    eve massacre
    MAUNZ

    Einlass 21:00, Beginn 21:30 Uhr
    Eintritt: Abendkasse: Zahl was du kannst zwischen 13 – 17 €, Vorverkauf. zzgl. Gebühr: 13 €

    Präsentiert von CURT

     

    PRISON RELIGION ist das gemeinsame Projekt der in Richmond, USA ansäßigen audio/visuellen Künstler Poozy und False Prpht.

    Seit 2016 tauchen sie tief in den Raum zwischen kaputtem Trap (Cage With Mirrored Bars, 2016) und zeitgenössischer destruktiver Club Music (O Fucc Im On The Wrong Planet, 2018).

    Seit sie sich mit dem experimentellen Label Halcyon Veil zusammengetan haben, haben sie eine globale Crew von gleichgesinnten avant-club Künstler*innen miteinander vernetzt und ein Remixalbum mit RABIT, ENDGAME, SWAN MEAT, LEE GAMBLE und BONAVENTURE herausgebracht (Resonance in Exoplanetary Hybridization, 2018).

    Eng verbunden mit NON Worldwide, einer kontinenteübergreifenden Kombination aus Plattenlabel, radikalem Kunstprojekt und Social Network, dass das Internet nutzt, um gegen das Silencing von African Culture zu kämpfen, leiten PRISON RELIGION auch eine neue Welle von gesangsbasierten Club Performances ein.

    Foto: Kevin Kim

    “The barely tonal beats of tracks like “Shots Fired” have this way of making it feel like the 808s are falling apart or dissociating, like a crowd dispersing as Jones and Black spin kick in the center… acid drenched tracks draw on the history of industrial music, metal iconography and experimental club music.” (Noisey)

    “Prison Religion are one of the most hardcore, rap-related acts we’ve heard in years. No cock out business, just Philip Best levels of mic-burning bile and vitriol shrieked and expectorated over bludgeoning beats, field recordings and charred electronics.” (Boomkat)

    “It’s a noisy, industrial, mess of cathartic, raging. Hardcore Punk music for club kids.” (Passion Of The Weiss)

    Der in Wien lebende Künstler Florian Pfaffenberger schafft als In My Talons progressiven Club-Sound, der die ruhelose Geschichte und Kontext ausblendende Klicklogik der Gegenwart reflektiert und trotzdem keine Angst vor großen Gefühlen kennt. Er lässt Samples aus höchst unterschiedlichen Quellen miteinander kollidieren und erschafft so reizvolle musikalische Spannungsverläufe. Er lässt gregorianische Chöre in apokalyptischen Klangwelten wiederauferstehen, bringt flirrende Grime-Synths mit vollen Dub-Bässen und federnden Cumbia-Rhythmen zusammen, scheppernde Metal-Sounds prallen auf Pop-Refrains, brutale Bässe reiben sich an berückenden Synth-Melodien. Verfugung und Zerfall halten einander in der Schwebe.

    „IN MY TALONS oszilliert zwischen Klaustrophobie und Pathos. Der Musiker und Bildende Künstler FLORIAN PFAFFENBERGER verarbeitet die Jetzt-Zeit in seinem progressiven Clubsound. Seine Nummern nähren sich aus einer viralen Unsicherheit und spiegeln die Gefühlswelt einer digital gehetzten Generation wider, die zwischen Existenzangst und Informations-Overload ihren Weg sucht. Aus unterschiedlichsten Quellen formt IN MY TALONS seine hyperreale Klangwelt, in der ent-personalisierte Stimmen den Chor einer Gegenwart formen, die weder zeitliche noch räumliche Grenzen kennt, keinen Unterschied zwischen Mainstream und Subkultur macht und Musik noch als Kraftwerk der Gefühle versteht.“ Music Austria

    Foto: Philippe Gerlach

  • BIG‡BRAVE + MY DISCO

    Donnerstag, 16.05.19 Kantine

    BIG‡BRAVE

    Minimalistischer Avant-Rock, intensiver Heavy-Drone/Doom/Sludge-Rock. Raum, Lautstärke, rohe Emotionen. (Southern Lord Rec., Montreal)

    MY DISCO

    Folterkammer-Ambient. Metallische Industrial-Percussion trifft mit wuchtig-bassigen Drones mitten in die Magengrube (Downwards Rec., Australien)

    Einlass 20:30, Beginn 21 Uhr
    Eintritt: Abendkasse: Zahl was du kannst zwischen 13-17€, Vorverkauf. zzgl. Gebühr: 13 €

    Seit 2012 gibt es BIG‡BRAVE schon, eine Band aus Montreal, die für wahrhaft schwergewichtigen Zeitlupen-Rock steht, für Sludge, Minimalismus, Slowcore, irgendwo Richtung GODSPEED! YOU BLACK EMPEROR, SHELLAC und SWANS. Heavy experimental Rock von Leuten, die schon auch das Feingefühl für doomige Drones und ausgefeilte Feedbackorgien haben.

    Neben doomiger Rhythmik, grollenden Drones und beißendem Gitarrenfeedback als integralem Bestandteil des Klangspektrums sticht vor allem die Stimme von Robin Wattie hervor und macht den Sound von BIG‡BRAVE so unverwechselbar. Diese arbeitet mehr mit Ausdruck und Emotion denn mit klassischen Melodielinien, was auf der einen Seite in ihren introvertierteren, fast lieblichen Momenten einen spannenden Kontrapunkt zur dystopischen Instrumentierung darstellt, sich aber insgesamt absolut harmonisch in den eher atonalen Sound der Band einfügt.

    Ohnehin spielt Dynamik bei ihnen eine kritische Rolle: mal dominiert das zäh und stoisch groovende Schlagzeug, mal frönen die Gitarren solistisch ausufernden Drones, bis wieder die Vocals im Zentrum des Geschehens stehen – und alles das, ohne sich davor zu scheuen, auch Stille ihren Platz einzuräumen. BIG‡BRAVE erforscht die Möglichkeiten wie eine Band klingen kann, während sie konstant den Charakteristika von Songstruktur und -form widersteht – spektakulärer, invertierter Rock, der um einige Größenordnungen fetter klingt, als man es einem Trio zutrauen würde.

    Im Mai kommt auch ein neues Album und wir können’s kaum erwarten.

    photo: Rachel Cheng

    „BIG|BRAVE are big and oceanic, their music flowing and crashing like waves…Robin
    Wattie’s clear, piercing vocals, which occupy an emotional zone right at the point between
    ecstasy and abject despair.“ – PITCHFORK

    „BIG | BRAVE have somehow made a ruthlessly loud record that is also fascinating, and
    consistently elegant.“ – DROWNED IN SOUND

    MY DISCO sind als unglaublich wuchtige Liveband bekannt, die Definition von körperlichem Konzerterleben. Präzision und Minimalismus prägen ihre Herangehensweise. Erinnerte ihr früheres Schaffen an eine Art minimalistischere SHELLAC (Albini produzierte auch die vergangenen Alben), antirockistischen Präzisions-Postpunk, haben sie nun mit ENVIRONMENT ein neues Album geschaffen, das konsequent ihr Erforschen von Raum in der Musik fortschreibt, aber den Rock beiseitelegt und eher an RAIME als an SHELLAC denken lässt: Wabernde Soundwände, zerklüftete Industrial-Sounds, bis auf die Knochen nagende basslastige Drones, düsterer Folterkammer-Ambient, scharfkantig und dissonant, fiebrig glühende Synthieverzweiflung und kalte metallische Percussion. Eine meisterhafte Entführung ins Zentrum eines Sturms.

  • GAZELLE TWIN + THE BOILER

    Freitag, 1.2.19 Kantine

    GAZELLE TWIN

    Industrial Pop, Avantgarde, Elektronik – ein Amalgam, in dem traditionelle Musikkonzepte in futuristischen Popstrukturen aufglühen (UK)

    THE BOILER

    No Wave, Elektronik, Pop-Non-Pop, Post-Industrial (Wien)

    + DJ nach Show: AMELIE

    Einlass 21 Uhr, Beginn 21:30
    Eintritt: Abendkasse: 15 €, Vorverkauf. zzgl. Gebühr: 13 €

    In der Reihe

    „Was für eine Spezies ist das denn? Und aus welchem Jahrhundert?“

    GAZELLE TWIN ist Elizabeth Bernholz, Performancekünstlerin, Komponistin und Produzentin, die auf ihren Konzeptalben dystopische Themen durch ungewöhnliche elektronische Produktionen verarbeitet und ihr Werk darüber hinaus in außergewöhnlichen Live-Performances mit wechselnden Personas erweitert.

    In der ländlichen Idylle von Mittleengland zusammengeschmiedet, exhumiert GAZELLE TWINS neues Album „Pastoral“ Englands faulige Vergangenheit und leuchtet mit einer Fackel seine sich zunehmend verdüsternde Gegenwart aus. Zeitgenössische elektronische Musik und Avant-Pop, die an Pionierarbeit von Aphex Twin, Björk, Matthew Herbert u.v.a. anknüpft, und von der Musikpresse mit hohen Positionen für ihre Gänsehaut-Elektronik in zahlreichen Jahresalbumsbestlisten gelobt wurde, z.B. von The Quietus (da ist es gar auf Platz 1), DiS Magazine, Drowned in Sound, Uncut, The Wire u.a.

    Erzählt mit Hilfe einer ganzen Schar von multi-gender Stimmen, in alten und neuen Sprachen, vom schrillen Echo des Volksliedes bis hin zu Abstechern in den Boulevardpresse-Jargon, präsentiert die Künstlerin GAZELLE TWIN die Vorstellung, dass „in jeder Idylle sich auch Horror befindet, und gleich hinter dem Anheimelnden die Gefahr lauert.“ Der Dorfplatz, einst Schauplatz jahrhundertelanger öffentlicher Folterungen, wird zur floral umrankten Postkarte, aufgehübscht für das Sommerfest. Ein sonniger, nachmittäglicher Spaziergang über die Hügel verunsichert einen Schwarm wütender Fliegen, die dabei sind, nicht näher identifizierbare Überreste zu fressen. Intolerante Verbitterung murmelt sanft inmitten von Teestubengeplauder, als sich das sauber gerahmte Hirtenbild in eine feierliche Langeweile auflöst.

    Vier Jahre hat die Arbeit am Album gedauert und es ist die erste große Veröffentlichung seit ihres viel beachteten Albums UNFLESH (2014). GAZELLE TWIN „The Composer, Musician and Producer“ hat ein Album geschaffen, das von einem Rausch traditioneller und zeitgenössischer Musiktropen nur so vibriert: die Instrumentierungen alter Musik von Cembalo und Blockflöte gespeist mit Elektronik bis hin zur überzeugenden, rituellen Anwendung gefundener Sample-Loops. Jenseits von Bernholzs charakteristischen Chorinfusionen, die hier wie ein verzerrter Sonntagsgottesdienst klingen, gibt es sogar Anklänge von 90er-House und der einst blühenden ländlichen Rave-Szene, wenn auch in Form verwässerte Second-Hand-Erinnerungen.

    Vor einer grünen Kulisse aus Hecken und Kirchtürmen konstruiert GAZELLE TWIN „The Artist and Performer“, auf die wir uns live freuen dürfen, eine exzentrische und souveräne visuelle Verkörperung all des oben genannten – ein Kostüm passend für einen Hofnarren des 21. Jahrhundert. Die Farben des Neo-Nationalismus. Cola-Dosen und GEFAHR. „Es“ (nicht „sie“) deutet auf folkloristische Traditionen mit einer rührseligen Glücksbringerwendung hin. Das „Ye Olde“ und „The Everyman“ des englischen Klischees. Spott und ein Steckenpferd schwingend. Ein Rätsel und ein Aufnahmegerät. Hohngelächter und ein Square Dance in rot, Adidas Gazelles und ein irres, festgefrorenes Grinsen. Eine derangierte, absurde Spiegelung unserer derangierten und absurden Zeiten.

    Wenn sich der Vorhang hebt und The Boiler auf ‚BODY=DEATH‘ mit „Drab Light“ das Bühnenlicht erhellt, liegt die Reise klar vor dem innerem Auge: Eine dunkle, urbane Straße entlang, getrieben von Beats, in denen die Geister des frühen Electro-Wave und Proto-Techno aufflackern, der Takt ein pochendes Herz, schnelle Schritte, ein Blick über die Schulter und schon erheben sich Philicorda-Orgel und Vocals zum ersten samtig-hymnischen Popmoment des Albums, dann ein Herabsinken in den mit verstörenden Noiseakzenten durchwobenen Downtempo-Track „Control“. Mit „Total Care“ folgt ein fordernder, treibender Track in bester post-industrial Manier, der mit dem Fuß am Gaspedal die Vocals tief in Kopf und Glieder pusht.

    Kristina Pia Hofer, als Ana Threat schon mit verschiedenen Musikprojekten bekannt, schafft hier mit Philicorda-Orgel, Tapedecks und 4-Spur-Bandmaschinen ein fokussiertes No Wave Juwel von Album.

    Mit dem Namen The Boiler greift sie den seinerzeits kontrovers diskutierten Rape-Song von Rhoda Dakar mit The Special AKA auf. Wie dieser weisen die hypnotischen, repetitiven Elemente des Albums, ob Sound oder Lyrics, auf Macht und Kontrolle als beherrschendes Moment der Rape Culture.  Zusammen mit Titeln wie ‚BODY=DEATH‘ – in dem das „SILENCE=DEATH“ der Queer-Bewegung ACT UP anklingt – oder „Body in a bag“ und dem
    düster schimmernden Sound des Albums wird der Körper quasi als Wagnis, das bloße Körperlich-Werden als Todesurteil skizziert. Der Bezug zu Popgeschichte ist hier keine der Wiederbelebung, keine Nostalgie, sondern wir erleben Vergangenes im Spiel mit der Gegenwart. The Boiler reicht „The Boiler“ die Hand, aber der Griff in die Vergangenheit, der auch durch die historische Instrumentenwahl besteht, versinkt auf ‚BODY=DEATH‘ nicht in Retrokitsch, sondern dient dem Dialog durch die Zeit.

    Ein berührendes und elektrifizierendes Album, auf dem Kristina Pia Hofer ihre sichere Hand dafür zeigt, Pop und Experiment, Trash und tiefere Auseinandersetzung in Beziehung zueinander zu setzen.

    Foto: Joanna Pianka

  • DŌMU + BLACK ANNIS

    Mittwoch, 28.11.18 Kantine

    DŌMU

    black world music / audio visual (Leipzig)

    BLACK ANNIS

    Soundexperimente / drone / Ambient (double u cc)

    Einlass 20:30, Beginn 21 Uhr, Eintritt: 8-11€ (Zahl was du kannst)

    DŌMU erschaffen mit ihrer audiovisuellen Performance eine dystopische Parallelwelt: flächiger Drone und Ambient und wütende Noise Ausbrüche verbinden sich mit fein komponierten Live-Visuals zu einem Gesamterlebnis. Dunkelheit und Licht, Stille und viel Geräusch. Elegische Klänge, harte Rhythmen und flirrende Melodien nehmen vielschichtig Räume ein. Das Geschehen verschwimmt zwischen Bühnenpräsenz der Musiker und abstrakten Videoschichten. Der Raum verbiegt sich. Und darin treffen die Klangflächen von Stefkovic van Interesse (Bells Echo) in einem energischen Strudel auf das einzigartige Schlagzeugspiel von Zar Monta Cola (spielt ansonsten bei WARM GRAVES) und die Live Visuals von GenPi (Bells Echo, Fusion Festival, at.tention Festival).

    photo: moewentaucher

    It’s about a boogie man. Black Annis is a goddess with iron claws and a taste for humans. She appears in the dusk of the night, her whispers guide you to the entrance of her cave, where you either end up around her waist or be invited to join her critical circle.
    She is no luminary, she is passion and anger. Black Annis is using instruments in an unconventional way to express social issues and personal fury. If you’ve got conservative feelings towards sound, be aware and better turn around or you’ll get haunted…