Schlagwort: Konzerte

  • ASBEST + COMFORT | 11.12.19 Z-Bau

    Mittwoch, 11.12.19 Z-Bau (Roter Salon)

    ASBEST

    Post-Punk, Noise Rock, Stonergaze, Drone / Schweiz

    COMFORT

    Post-Punk, Electronic, Post-industrial / Glasgow

    Einlass 20:30, Beginn 21 Uhr
    Eintritt: Abendkasse: Zahl was du kannst zwischen 10 – 13 €

             

    Ursprünglich aus dem sehr aktiven Basler Underground spielt die Band einen wütenden und schweren Post-Punk, der mit abrasivem Noise den Zustand der heutigen Welt reflektiert. Diese Melange ist eine wütende bis verzweifelte Reaktion auf die allgemeinen Ereignisse unserer Zeit, spiegelt aber auch die persönlichen Erfahrungen der Frontfrau Trachsel als Transfrau wieder.

     

    Comfort sind ein Duo aus Glasgow, bestehend aus dem Geschwisterpaar Natalie und Sean. Ihr erstes Album „Not Passing“ – eine minimalistisch/maximalistische Komposition aus donnernden Beats, schlichten Synths und stockenden Samples – ist von brutal ehrlicher Schönheit. Stets angetrieben von Natalies wütendem Gesang schwanken die Tracks zwischen Verletzlichkeit und Empowerment und stellen Geschlechternormen und gesellschaftliche Konstrukte infrage. Bequemes Hören ist das nicht. Vielmehr ist es Ausdruck der jungen britischen Linken, gespeist aus Wut und Ernüchterung einer desillusionierten Generation – und das klingt absolut großartig.

  • NUNOFYRBEESWAX + HOUSEPARTY

    Donnerstag, 26.09.19 Kantine

    NUNOFYRBEESWAX

    Garage-Punk, Proto-Indie, Lo-Fi songs for real human beings, Pop songs as raw as their hearts

    HOUSEPARTY

    Indie, Surf, Emo, Pop-Punk, Powerpop of love!

    Einlass 20:30, Beginn 21 Uhr

    Eintritt: 8-11€ (Zahl was du kannst)

             

    Nunofyrbeeswax sind ein temperamentvoller Ausbund von „lo-fi hymns for real human beings“. Garage-Rock, Punk, Proto-Indie, runtergestrippt auf rohen Minimalismus und viel Energie und Leidenschaft – wie gut das funktionieren kann, kennt ihr von Bands wie Mondo Ray, Beat Happening oder Sleaford Mods. Nunofyrbeeswax verschmelzen Garage-Rhythmen mit surfigen Gitarren, die bestens dafür gerüstet sind, eure melancholischen Knochen zum Schmelzen zu bringen. Das in Berlin lebende spanisch/italienische Duo hat letztes Jahr sein zweites Album rausgebracht: ‘Music Don’t Matter’. Ein Titel, den ihnen spätestens nach einem Konzertbesuch niemand abnimmt.

         

    Geht’s dir heute unglaublich gut?
    Houseparty!
    Du fühlst dich heut ’n bisschen mies?
    Houseparty!
    Du brauchst Urlaub und hast keinen Bock auf den Alltagsscheiß?
    Houseparty fangen dich auf! Immer!

    Vier Jungs. Ein Van. Das Roadtripmixtape auf Dauerschleife und Sprit genug um entweder zum nächsten Wasserplatz, oder zum nächsten Gig zu kommen. Pizza und Bier auf dem Rücksitz, Sonne auf der Windschutzscheibe. Und überall Musik: Indie-Surf-Emo-Sound, der mal entspannt, mal punkig, aber immer emotional durch die Luft schwingt. Every Woman, every Man, join the Caravan of Free Time, Fun and Friendship (=Love) at a Houseparty Concert.

    Rev Reefer (vocals, guitar), Domi Daiquiri (drums, skits)
    Simi High (Bass, herbs), Chris Panda (guitar, vocals)

     

  • OTOMATIK MUZIEK LABELNIGHT

    Samstag, 24.08.19 Kantine

    OTOMATIK MUZIEK Labelnight mit Günter Schlienz, Schweben und S.U.V.

    Einlass 20:30 Uhr, Beginn 21 Uhr
    Eintritt: Zahl was du kannst zwischen 6-9€

    OTOMATIK MUZIEK ist ein Nürnberger/Berliner Label, das seit 2016 mittlerweile 13 Tapes veröffentlicht hat. Dabei richtet das Label den Blick auf eine Szene, die sich wenig um öffentlichkeitswirksames Auftreten schert und sich stattdessen ganz auf Improvisation, elektroakustische Forschung und grenzgängerische Intensität konzentriert. Musikalisch bewegt sich das dann zwischen New Age Ambient, harten Industrialdrones, klassischer Minimalmusic und mäandernden Noise-Eskapaden – an diesem Abend stehen aber Synthesizer im Zentrum.

       

    GÜNTER SCHLIENZ baut Maschinen: Modular-Synthesizer, um genau zu sein. Diese seltsamen kleinen und großen Kisten generieren und modulieren Töne, und übernehmen bei Günters legendären Liveshows manchmal so weit das Geschehen, das er selbst schon dabei gesichtet wurde, wie er daneben auf dem Boden lag und Zigaretten geraucht hat. Wie die Rakete in den Weltraum trägt, so tragen Günter Schlienz‘ Maschinen ganz ohne Übertreibung in kosmische Weiten. Zudem veröffentlicht Günter am laufenden Band überall auf der Welt Alben, die meistens innerhalb weniger Tage ausverkauft sind, auf so illustren Labels wie Sacred Phrases, dem japanischen Muzan Editions – oder eben, unter dem Alias „Trista Magnetique“, auf Otomatik Muziek. Musik ist für Günter ein Prozess, eine Notwendigkeit – der atmet das. Wer Einordnung braucht: ein spätgeborener Artgenosse von Klaus Schulze, Brian Eno oder Popol Vuh – die Essenz kosmischer Musik.

    SCHWEBEN ist das Solo-Ding von Philipp Hager, der normalerweise eine Hälfte des monolithischen Krautrock-Duos ZEMENT ist. Wo Zement sich ganz dem Motorikbeat von Bands wie Neu! hingeben, spielt Schweben mit analogen Synthesizer-Arpeggios, fluffigem Sequenzer-Gezirpe und skeletalen Rhythmen – flirrende wie ein heißer Sommerwind, tänzelnde Minimalmusic, die an einem heißen Augustabend perfekt aufgehoben ist.

    Hinter S.U.V. – dem Kürzel für Sex Und Violence – steckt der Labelgründer Franz Joseph Kaputt. Die Testcard hat seine Musik mal als „Autoren-Noise“ bezeichnet, so richtig musikalisch festlegen lässt er sich aber nicht. Nach dem verhuschten Grusel-Folk seines letzten Albums verbindet er aktuell dub-orientierte Beats mit Dronegitarren, Synthesizerschleifen mit Spoken Word-Fetzen, und orchestrale Melodika-Arrangements mit schmutzigen Folk-Anleihen.

  • XIU XIU + DELILUH – entfällt

    Konzert entfällt wegen Tourabsage! Ticketsrückerstattung bei der Vorverkaufstelle.

    Leider muss die XIU XIU Show im November entfallen. Das offizielle Statement dazu:
     
    „Xiu Xiu will be cancelling their upcoming US and European tour dates with refunds available at the point of purchase. Jamie needs to take some time to focus on his mental health and get the proper rest he needs in order to do so. We appreciate your understanding.
     
    We urge you all to take care of yourself and one another. Mental illness should never be treated lightly. If you or a friend ever feels lonely, depressed, sad, or confused there are resources available to you, now and always.“
     
    Wir sind traurig, dass nun schon das zweite Konzert dieses Jahr wegen psychischer Probleme abgesagt werden muss. Die darunter leiden sind nicht die Ausnahme (1), im Mai diesen Jahres sprach eine Statistik von 73% aller Indie Musicians als Betroffenen.
     
    Und Musiker*innen sind auch nicht die einzige Gruppe von Betroffenen: Allein zum Beispiel an Depression sind derzeit in Deutschland laut AOK (pdf) 11,3% der Frauen und 5,1% der Männer erkrankt; insgesamt 8,2 % der Bevölkerung. Laut Robert Koch Institut (pdf) sind es sogar 10,1%. Falls ihr dazu gehören solltet, falls ihr euch einsam, depressiv, oder langfristig immer wieder traurig oder verstört fühlen solltet – ihr seid nicht allein, bitte sucht Hilfe! Gebt euch nicht auf, ihr werdet euch auch wieder besser fühlen, selbst wenn ihr euch das in dem Moment nicht vorstellen könnt. Wenn ihr Menschen in eurem Bekanntenkreis habt, von denen ihr den Verdacht habt, dass sie darunter leiden, sprecht sie darauf an, ermutigt sie, Hilfe zu suchen, aber ohne Druck zu machen. Niemand sollte allein gelassen werden, es gibt Hilfe. (Zum Beispiel könnt ihr auf www.deutsche-depressionshilfe.de Kontakte zu Krisentelefonen, Selbsthilfegruppen u.a. finden.)

    Sonntag, 03.11.19 Kantine

    XIU XIU

    Emotionaler Avant-Pop, wave-angehauchte Indie-Rock-Experimente

    DELILUH

    Post-Punk, Art-Rock, Wave

    Einlass 20:30, Beginn 21 Uhr
    Eintritt: Abendkasse: 18€, Vorverkauf. zzgl. Gebühr: 15€

                 

    Xiu Xiu ist das Ventil für die kompromisslosen und nervenzermübend-persönlichen musikalischen Werke des in Los Angeles lebenden Multi-Instrumentalisten Jamie Stewart sowie eine lange Liste von Mitmusiker*innen, die daran im Studio und auf der Bühne teilhaben.

    Xiu Xius Musik, die seit 2002 einen unaufhörlichen Strom von Veröffentlichungen, Nebenprojekten, Kunstperformances und ausgedehnten internationalen Tourneen darstellt, hat sich von gebrochenem Avant-Pop zu kunstvoll orchestriertem Indie-Rock entwickelt, mit Böen von Noise aus tiefschwarzem Herzen und allen möglichen Stationen dazwischen, stets serviert mit verletzender Ehrlichkeit und Intensivität, die schon die Herzen einer ganzen Legion von obsessiven Zuhörer*innen herausgerissen hat.

    Das neueste Xiu Xiu Album Girl with Basket of Fruit (erschienen im Februar 2019) ist ein rowdyhafteres und stilistisch unwirscheres Werk als Forget von 2017 und abermals sticht die Liste von Mitwirkenden ins Auge, zu denen unter anderem Eugene Robinson (Oxbow), Devin Hoff und die haitianischen Percussionisten Emmanuel Obi und Ayo Okafor gehören.

    Für die Live-Shows 2019 manifestiert sich Xiu Xiu in Form von Jamie Stewart, Thor Harris (Swans, Shearwater, Thor & Friends) und Jordan Gieger (Minus Story, Shearwater).

    Deliluh ist eine aufstrebende experimentelle Art-Rock-Band, die sich in Toronto einen Ruf als Fackelträger für die DIY-Musikszene erworben hat. Ihr Sound verschmilzt Elemente von Punk, Drone und experimenteller Musik zu einer organischen, aber heftig resonierenden Klangidentität.

    Der Nachfolger ihrer selbstproduzierten Debüt-LP ‚Day Catcher‘ folgt auf die Fersen eines Jahres, das sie damit verbrachten, frische Ideen aufzuspüren und aufzunehmen. ‚Oath of Intent‘ ist eines von zwei Alben, die letztes Jahr entstanden sind, und dokumentiert die Gruppe in ihrer bisher eindringlichsten und mörderischst-direkten Form. Die fünf Tracks der Platte erzählen Geschichten, die den Konflikt und das Unbehagen innerhalb unserer menschlichen Beschaffenheit aufgreifen, bzw. in Charaktere schlüpfen und mit lyrischer Hartnäckigkeit und rasiermesserscharfem Takt durch beunruhigte Linsen auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft schauen. Schnelle Instrumentalwechsel werden gegenüber Soundschichten oder -verschmelzungen bevorzugt und resultieren in einer durchgehend tighten Erlebniswelten, wie eine Sammlung ausgekochter Kurzgeschichten.

    Deliluhs Neigung, den traditionellen Rundlauf durch Bars und Clubs zugunsten unkonventioneller Veranstaltungsorte zu ignorieren, hat ihnen zu Hause einen Ruf beschert, der ihnen viel bedeutet. In den letzten Jahren haben sie dem Publikum eine Vielzahl von Auftritten in Bäckereien, Bibliotheken, Wohnungen und einer stillgelegten U-Bahn-Plattform geboten. Sie beginnen im Mai dieses Jahres eine Tournee durch Großbritannien und Europa, mit Festivalauftritten in ganz Kanada, die bis in den Sommer hinein andauern. Die Kernmitglieder sind auch für einen neuen Schub von kleinen Konzerten in ihrer Stadt verantwortlich, die im Wohnzimmer ihrer Bloordale Wohnung stattfinden, einem Raum, der bei vielen als Somewhere Else bekannt ist.

  • SKATING POLLY + SHE MAKES WAR

    Samstag, 05.10.19 Kantine

    SKATING POLLY

    Extrem frischer Riot-Grrrl / Grunge / Alternative Rock / Indie-Rock aus Oklahoma

    SHE MAKES WAR

    One-Women-Band zwischen Indie-Rock und Grunge

    Einlass 20:30, Beginn 21:00 Uhr
    Eintritt: Abendkasse: Zahl was du kannst zwischen 10 – 13 €, Vorverkauf. zzgl. Gebühr: 10 €

             

    SKATING POLLY, das Stiefschwester-Duo aus Kelli Mayo und Peyton Bighorse, nannnten ihre Musik zu Anfangs einfach „ugly pop“, hässlichen Pop, und das ist ja auch eine treffende Bezeichnung für Musik, die im einen Moment total süß und eingängig ist und in der im nächsten Moment wütendes Geschrei aus vollem Hals und voller Seele auf lärmige Gitarren trifft. Ein anderer passender Begriff dafür wäre schlicht Grunge, den sie für sich und ihre 21.- Jahrhundert-Teen-Angst ganz neu errungen haben – wie eine ganze Menge (tumblr-)Millennials mit ihnen. Und nach Nirvana, Mudhoney, Babes in Toyland, Hole klingen sie wirklich im einen Moment, und nach Kimya Dawson und Beat Happening im anderen.

    Als sie sich 2008 gründeten, war Kelli gerade mal 14 Jahre alt und Peyton 18, und 2011 kam schon ihr erstes Album raus: Taking Over The World. Sie wurden bald von einigen Punk/Indie-Größen unterstützt und gefeiert: Xene Cervenka von X hat ihr zweites Album, Lost Wonderfuls, produziert, und Klyph Scurlock (Flaming Lips) hat ihnen sein altes Drumset geschenkt, und Babes In Toyland haben sie mit auf ihre Revival-Europatour genommen, Calvin Johnson (Beat Happening, K-Rec) hat ihr drittes Album produziert und mit Veruca Salts Loouise Post und Nina Gordon haben sie an einer EP namens New Trick gearbeitet, seit der auch Kurtis Mayo, ihr Bruder, als festes Bandmitglied dazugehört. Inzwischen haben SKATING POLLY sich wirklich nonstop den Allerwertesten abgetourt und schon ihr viertes Album raus: The Make It All Show.

               

    SHE MAKES WAR ist das Indie-Solo-Projekt der Multiinstrumentalistin und bildenden Künstlerin Laura Kidd aus Bristol. Die pazifistische Naturgewalt mit Punk-Spirit und ernsthaftem Arbeitsethos hat eine friedliche, aber provokative Botschaft — sie will ihre Songs mit der Welt teilen, auf Augenhöhe mit allen, die Musik ebenso lieben wie sie. Ihre kreativen Eine-Frau Shows mit grungiger E-Gitarre, klaustrophobischen Gesangsloops und fußbetätigter Percussion, Megafon und einer Handvoll Glitzer haben schon Zuhörerschaften rund um den Globus gefesselt. Ihr aktuelles Album Brave For Impact erschien vergangenes Jahr, und ganz in ihrem DIY Spirit wurde es crowdgefundet und schoss gleich in die Indie Album Charts.

  • CESCHI – entfällt!

    Leider hat CESCHI den Großteil seiner Juli-Tour abgesagt. Darunter auch dieser Termin. Wir hoffen, die Show irgendwann nachholen zu können.

    Donnerstag, 18.07.19 Kantine

    CESCHI

    Indie-Rap, HipHop, Folkpunk (Fake Four Inc, USA)

    Einlass 20:30, Beginn 21 Uhr

         

    Ceschi (aussprache: chess-key) Ramos ist eigentlich ein Ein-Personen-Orchester, aber kommt diesmal mit Band auf Tour. Oftmals bewaffnet mit nicht mehr als einer Gitarre, einem Laptop und seiner Stimme, zehrt Ceschi von der Summe der Erfahrungen seiner Inhaftierung wegen Marihuanabesitz, dem Tod vieler seiner Freunde, die wegen tragischen Umständen ums Leben kamen, Rassismuserfahrungen und er spielt Konzerte in der ganzen Welt. Von ruhigen Indiefolk, roughem Folkpunk, bis zu Rap und beides immer mit DIY-Punk Attitüde.

    Er hat in Amerika, Europa und Japan mit Independent Hip-hop-helden wie WHY?, Myka 9, Busdriver, milo, Sage Francis, Cage, Open Mike Eagle, Astronautalis, Awol One, Sole und Onry Ozzborn getourt, gründete schließlich sein eigenes Label Fake Four, Inc., auf dem viele dieser Künstler ein Zuhause fanden (Astonautalis, Open Mike Eagle, uvm.).

  • JOAN OF ARC + MOCK

    Montag, 26.11.18 Kantine

    JOAN OF ARC

    Legendärer experimenteller Indie-Rock, Post-Hardcore, Post-Folk

    MOCK

    Post-Hardcore und Puzzle-Rock

    Einlass 20:30 Uhr, Beginn 21 Uhr
    Eintritt: Abendkasse: Zahl was du kannst zw. 12-15€, Vorverkauf 12€ zzgl. VVK-Gebühr 

     

    In ihrer über 20jährigen Diskografie wurde das raffinierte, musikalisch immer weiterforschende Experimentieren von JOAN OF ARC – das stets resistent gegen Dogma und Genre blieb, am ehesten blieb noch das vage Emo / Post-Hardcore haften, reichte aber nie auch nur annähernd aus – von einer Flut von Stimmen getragen, meist alleine vom Kehlkopf Tim Kinsellas, der immer besessen von (und wütend über) Orwellscher Sprache und ihrer Herrschaft über das „American life“ war. Richard Brautigan, Mark Twain, Elizabeth Taylor, und Assata Shakur mögen seine Texte besuchen, aber es ist die Band selbst, die eine Vielfalt von Stimmen ausmacht. In JOAN OF ARC, haben Kinsella und seine Bandkolleg*innen – das waren über die Jahre zwei Dutzend – durchwegs eine echte künstlerische Demokratie erarbeitet, um den sich verdüsternden politischen Realitäten und zwischenmenschlichen Mysterien unserer Zeit etwas entgegenzusetzen. Wie ihre Namensschwester – eine mit Erleuchtung Beschenkte, die zur grimmigen heiligen Kriegerin wurde, nur um von einem König entsorgt und an einem Pfahl als Ketzerin verbrannt zu werden – haben JOAN OF ARC auch ihren Teil an wahrhaft Gläubigen inspiriert und Legionen von Skeptikern mit offenen Mündern staunend zurückgelassen.

    Seit sich JOAN OF ARCs aktuelles Line Up herausgeformt hatte – Kinsella, Theo Katsaounis, Melina Ausikaitis, Bobby Burg, und Jeremy Boyle— und 2015 Konzerte zu spielen begann, um dann sein Album ‘He’s Got The Whole This Land Is Your Land In His Hands’ aufzunehmen und auf Joyful Noise am Tag von Donald Trumps Amtseinführung zu veröffentlichen, wurden die Fans der Band Zeug*innen einer noch radikaleren Demokratie. ‘Your War (I’m One Of You): 20 Years of Joan of Arc’, eine Doku in Spielfilmlänge von Vice’s Noisey, öffnete ein Fenster zum großzügigen kollaborativen Spirit der Band und der weit verstreuten, improvisierten Erschaffung dieses neuen Albums. Livemusik, alte Jams und neue Tracks verschmolzen oft miteinander und mutierten, Mitglieder sprangen von Instrument zu Instrument, zwischen oder mitten in Liedern, alles, woran sich hätte festhalten lassen, jeglicher Stillstand, wurde über Bord geworfen. Und nun wurde eine Reihe von fast-Acapella Live Performances von Kinsellas Mitsängerin Melina Ausikaitis nach ihrem Livedebut in den letzten paar Jahren, zum Rückgrat des neuen Albums, ‘1984’.

    Bemerkenswerterweise ist auf ‚1984‘ viel vom überladenen Sound von JOAN OF ARCs früheren Alben wegfallen, sowie Kinsellas Stimme. Im ersten Moment ist das wirklich schockierend. Aber die Songs hier sind eine Offenbarung, so tiefgründig und geradeheraus wie Parabeln. Durch und durch im Geiste JOAN OF ARCs sind Ausikaitis Texte gleichermaßen getragen von Scharfsinnigkeit, Witz, Verzweiflung und hartnäckigem Ausdauern. Da gibt es peinlichen Sex im Haus der Großmutter. Da sind Kinder im Schnee, die Cop-Sonnenbrillen tragen, und die zerbröselnden psychischen Widerstände gegen Kindheitserinnerungen. Da sind Nurdachhäuser und weiße Pferde. Da gibt es Trucks, deren Bremsen auf dem Hügel am Ende der Straße versagen. Da sind haufenweise nützliche Selbsthilferatschläge (“stop chicken-shittin’ all over your life” ist mir ein persönliches Mantra geworden). So wie das markante handgezeichnete Albumartwork, ist die Musik drinnen oft spärlich gehalten. In hymnische Hochs klingen elegische Tiefs nach und umgekehrt. Manchmal singt Ausikaitis in einem ernsthaft spritzigem und alles umschmeichelndem Näseln, das nach dem Mittleren Westen duftet, bevor sie ihre Stimme zu einem furchterregenden Brüllen aufbäumt. Manchmal ist ihre Stimme elektronisch verzerrt, wie Glocken am Firmament, in klingende Unendlichkeit. Bei „Vemont Girl“ bin ich mir nicht sicher, ob sie aus Jux Kinsella nachmacht,aber ich muss jedes Mal lachen, wenn ich es höre.

    Wann immer ich dachte, ich hätte diese Band eingeordnet, haben sie mich auf’s Neue herausgefordert und belohnt: Mit der Vertonung eines Stummfilms, einem halbstündigen minimalistischen Cover der Beatles, „Helter Skelter“, das durch ein Kunstmuseum hämmerte, durch eine performative Zusammenarbeit mit einer Theatergruppe, und eine besonders in Erinnerung haftende Empty Bottle Show, bei der sie Salven von katastrophalem EDM in ein Publikum jagten, das in die Wänder zu schmelzen schien. Öfter als nicht, war es so, dass, je weniger ich von einem ihrer Konzerte oder Alben erwartete, ich desto mehr bekam. Je mehr ich andere ihre Köpfe über den stetigen Bruch der Band mit Erwartungshaltungen kratzen sah, desto mehr begriff ich JOAN OF ARCs künstlerische Weisheit. Auf ‚1984‘ haben sie es wieder getan, und ich vermute, sie werden noch weit über die letzten zwei verwirrenden Dekaden hinaus ein Soundtrack zu meinem Leben bleiben. Es gibt heutzutage zu wenige Bands, die machen, dass ich mich mich weniger alleine fühle.

    Du magst bis jetzt versucht haben, eine Person ohne Probleme zu sein, aber du hast noch Zeit, auf den JOAN OF ARC Einbahnzug aufzuspringen und mit mir zu ihrem Scheiterhaufen einer gerechten, reinen Demokratie zu fahren. Setz deine Kopfhörer auf und zünde ‚1984‘ und erinnere dich an dich selbst als ein Kind, als deine einzige Tätowierung die Erinnerung an das erste Mal, dass du deine Mutter weinen gesehen hattest, war, tief über dein Herz geschrieben. Hör zu: Du brauchst nicht deinen persönlichen Abgrund zu schließen. Es ist ein Ort, an den nur du gehen kannst. Dir wurde wegen der Läuse der Kopf rasiert. Deine Kragenhemden waren in die Hose gestopft. Dein ganzes Leben wurde nur über uns hergezogen, aber seh uns jetzt an. Wir sind wahre „Punk Kid“s.

    by JR Nelson

       

    mOck aus Berlin fordern uns heraus. Das Trio bewegt sich zwischen sprühenden Ausbrüchen und mimimalistischer Zurückhaltung. Ihr eigenwilliger und doch eingängiger Sound speist sich etwa aus dem Post-Hardcore. Bands wie Karate, Honey For Petzi oder Tortoise sind wichtige Einflüsse. Treibende Melodiösität, Rhythmuswechsel, fließende und sich plötzlich ändernde Strukturen ergeben zusammen einladenden Puzzle-Rock zum genaueren Hinhören.