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  • 01.07.23 Zement & Hannah Grünewald + Ashinoa

    Ein ganz großartiges Doppelpack zweier dancy psychedelic Neo-Kraut-Bands erwartet euch am 1. Juli in der Kantine: Zement & Hannah Grünewald mit ihrer A/V-Show und aus Lyon stoßen Ashinoa dazu, die letztes Jahr ein verdammt gutes neues Album auf Fuzz Club rausgebracht haben!

    Samstag, 01.07.23 Kantine

    Zement & Hannah Grünewald

    + Ashinoa

    Einlass 20:30, Beginn 21 Uhr
    Eintritt: Abendkasse, Zahl was du kannst zwischen 11-18€

    Hannah Grünewald:   Website   Instagram
    Zement: Bandcamp   YouTube „Soil“   YouTube „Goa“   YouTube Hersbrooklyn Live Session   Spotify   Instagram   Facebook

    Mit ihrem Mix aus drehenden motorischen Rhythmen, flirrenden Synths und psychedelischen bis noiseigen Gitarren, erschaffen Zement einen eklektischen Mix aus Neo-Krautrock, Psychedelic, Noise-Rock und EDM. Philipp Hager (Gitarre, Synthesizer, Drum-Machine, Effekte, Flöte) und Christian Büdel (Drums, Percussion) spielen in dieser Kombination seit 2014 als Zement zusammen und sind beide bereits über viele Jahre in verschiedenen musikalischen Zusammenhängen aktiv.

    Auf ihrem dritten Album Rohstoff bleiben Zement der thematischen Bearbeitung ihres Namens treu, erweitern ihren Sound aber um mehr und mehr Facetten aus anderen Genren der elektronischen Musik. Die Synthesizer nehmen mehr Raum ein als früher, Drumcomputer kommen zum Einsatz und man hört zum ersten Mal maschinellen Gesang. So finden sich darauf auch Anklänge an frühen Detroit-Techno und House, aber auch Ausflüge in Free-Jazz Gefilde und Saxophon Improvisationen von Gastmusiker Martin Pirner sind zu hören, ohne sich dabei zu weit vom Grundpuls des Motorik-Beat zu entfernen.

    Die spannende Mischung aus unterschiedlichen musikalischen Einflüssen und qualitativ hochwertigem Songwriting bringt Zement mit Rohstoff auf eine Ebene mit etablierten Experimental-Rockbands wie Maserati, Trans Am oder Föllakzoid. Wer auf den Sound der genannten steht, wird sich hier bestens aufgehoben fühlen. In seiner Kombination aus Autobahn und Hallogallo, Techno und Free Jazz, ist Rohstoff eine konsequente Fortführung und Erweiterung des bisherigen Oeuvres von Zement. Eine endlose Reise für Körper und Geist, ähnlich wie eine Clubnacht.

    Im Jahr 2022 spielten Zement ihre erste Show zusammen mit der langjährigen visuellen Kollaborateurin Hannah Grünewald, die die technischen und ästhetischen Aspekte von Live-Coding, Visual Mapping und Video-Sampling durch multimediale Performances erforscht. Auf dieser Tournee werden sie als audiovisuelles Trio auftreten, wobei der Sound Hannahs Live-Coding und Visuals beeinflussen wird und umgekehrt! Eine endlose Meditation über die Architektur des Geistes und die Bewegung der Körper

    „Zement ist ein Mehl, das Festungen formen kann. Zement ist aber auch eine Band, die Ernst und Spiel zugleich ist.“  (Visions Magazin)
    „This is high modern music, that also has soul.“ (Simon Smith, The Fragmented Flaneur)
    „Mit diesem dritten Album etablieren sich Zement endgültig als Kraut-Powerhouse.“ (beatblogger)
    „It’s just the rhythm of the Zement tribe, it’s Christian and Philipp melting into one entity.“ Sebastian Dyrschka (Otomatik Muziek)
    „A hybrid of Autobahn-inspired early electronic from the school of Kraftwerk and the hypnotic repetition from Krautrock pioneers Neu! Similar to contemporary groups like Föllakzoid and Trans Am, Zement take those inspirations and add in their own ingredients to propel the genre forward. „Rohstoff“ their third full-lenght, has some exciting psychedelic undertones stirred into the cauldron.“ (SlyVinyl)

    Bandcamp   Instagram   YouTube „Vieille Vigne“ (live version)   YouTube „Koalibi“   YouTube „Disguised in Orbit“   Spotify

    Seit ihrer Gründung im Jahr 2015 gehört die vierköpfige französische Band Ashinoa zu den Vorreiter*innen der alternativen Szene in ihrer Heimatstadt Lyon. Ursprünglich mit der Misère Records-Bewegung und dem Kollektiv der Stadt verbunden, unterschrieb die Band 2021 bei dem Londoner Label Fuzz Club Records (Night Beats, Tess Parks, The Underground Youth) und veröffentlichte Anfang 2022 ihr zweites Album „L’Orée“.

    Musikalisch knüpft es an die Debüt-LP „Sinie Sinie“ und die nur auf Vinyl erhältliche Single „Koalibi“ an, während es gleichzeitig einen natürlicheren und organischeren Sound erforscht. Teils perkussiv und tänzerisch, teils hypnotisch und cineastisch fühlen sich die größtenteils synthesizergesteuerten Klanglandschaften von „L’Orée“ sowohl antik als auch futuristisch an, indem sie eine Synthese aus jazzig angehauchtem Krautrock, formwandelnder psychedelischer Elektronik und experimenteller Weltmusik bilden.

    Auf ihren zahlreichen Tourneen durch Frankreich teilten Ashinoa die Bühne unter anderem mit Metz, Flamingods, Tomaga, Warmduscher, Bo Ningen, Kikagaku Moyo, Minami Deutsch und The Holydrug Couple und erwarben sich den Ruf eines beeindruckenden Live-Acts, der sein Publikum mit einer schieren Vielfalt und Intensität des Sounds in seinen Bann zieht.

     

     

     

  • 26.04.23 BIG | BRAVE + Aicher

    Am 26. April könnt ihr euch endlich wieder von Big Brave und ihrem intensiven, minimalistischem Heavy-Drone/Doom/Sludge-Rock/Avantgarde-Rock aus dieser Welt fegen lassen. Verloren im Raum, nur noch Sound, Lautstärke, rohe Emotionen. (Southern Lord Rec., Montreal) Und mit auf Tour kommt Aicher, alias Liam Andrews von My Disco, zum ersten Mal live mit diesem Soloprojekt.

    Mittwoch, 26.04.23 Kantine

    BIG ‡ BRAVE

    + Aicher

    Einlass 20:30, Beginn 21 Uhr
    Eintritt: Abendkasse: Zahl was du kannst zwischen 13-17€, Vorverkauf. zzgl. Gebühr: 13€ Ticketlink

    Website   Bandcamp   YouTube   Spotify   Instagram

    BIG‡BRAVE sind eine Band aus Montreal, die für wahrhaft schwergewichtigen Zeitlupen-Rock steht, für Sludge, Minimalismus, Slowcore, irgendwo Richtung GODSPEED! YOU BLACK EMPEROR, SHELLAC und SWANS. Heavy experimental Rock von Leuten, die schon auch das Feingefühl für doomige Drones und ausgefeilte Feedbackorgien haben.

    Neben doomiger Rhythmik, grollenden Drones und beißendem Gitarrenfeedback als integralem Bestandteil des Klangspektrums sticht vor allem die Stimme von Robin Wattie hervor und macht den Sound von BIG‡BRAVE so unverwechselbar. Diese arbeitet mehr mit Ausdruck und Emotion denn mit klassischen Melodielinien, was auf der einen Seite in ihren introvertierteren, fast lieblichen Momenten einen spannenden Kontrapunkt zur dystopischen Instrumentierung darstellt, sich aber insgesamt absolut harmonisch in den eher atonalen Sound der Band einfügt.

    Ohnehin spielt Dynamik bei ihnen eine kritische Rolle: mal dominiert das zäh und stoisch groovende Schlagzeug, mal frönen die Gitarren solistisch ausufernden Drones, bis wieder die Vocals im Zentrum des Geschehens stehen – und alles das, ohne sich davor zu scheuen, auch Stille ihren Platz einzuräumen. BIG‡BRAVE erforscht die Möglichkeiten wie eine Band klingen kann, während sie konstant den Charakteristika von Songstruktur und -form widersteht – spektakulärer, invertierter Rock, der um einige Größenordnungen fetter klingt, als man es einem Trio zutrauen würde.

    Minimalismus und Instinkt, Struktur/Freiheit und akribisches Timing bilden die Eckpfeiler des prägnanten, rhythmischen Sounds von BIG | BRAVE. Auf ihrem aktuellen Album VITAL hat das Kerntrio Robin Wattie, Mathieu Ball und Tasy Hudson ihr bisher kollaborativstes Album aufgenommen. Die Band kommentiert: „Da wir unsere Zähne in sehr unterschiedlichen musikalischen Hintergründen ausgebildet haben, unterscheiden sich unsere Intuitionen, was einen interessanten Effekt auf unsere individuellen Herangehensweisen und Ohren hat.“  Textlich beschäftigt sich VITAL mit dem Gewicht von „Race“ und „Gender“, mit Ausdauer und dem Umgang mit dem Verhalten anderer Menschen, mit Beobachtung und Protest. Die Band kommentiert weiter: „Dieses Album beschäftigt sich damit, was es bedeutet, in einem rassifizierten Körper durch die Außenwelt zu navigieren und was dies mit der Psyche als Ganzes macht, während wir individuelle Würde innerhalb dieser Realität erforschen.“

    Die ersten Samen wurden 2012 gepflanzt, als Robin Wattie und Mathieu Ball begannen, gemeinsam subtile Ambient-/Minimal-Folk-Songs zu schreiben, ohne ein anderes Ziel als das Experimentieren mit Instrumenten, die ihnen zur Verfügung standen. Als ihr langjähriger Freund Louis Alexandre Beauregard am Schlagzeug dazukam, blieb das Ziel, so zurückhaltend wie möglich zu spielen. Nach einem Zwischenfall, bei dem Watties Akustikgitarre kaputt ging, und nachdem er sich die E-Gitarre eines Freundes als Ersatz geliehen hatte, wurden größere Verstärker, die Ball noch von früheren Bands aufbewahrt hatte, in das Outfit integriert. BIG | BRAVE, die nun die Verstärkung als kompositorisches Mittel nutzten, verloren nie das Interesse an der Kraft des Minimalismus und der Zerbrechlichkeit. Es wurde klar, dass hohe Lautstärken genauso effektiv sein würden wie die geringstmöglichen, und die Gegenüberstellung von beidem wurde zu etwas, das BIG | BRAVE bis heute als ihr Hauptmittel einsetzt.

    Nach dem Weggang von Beauregard im Jahr 2018 reiste die Band mit Loel Campbell am Schlagzeug nach Rhode Island, um eine erste Platte mit Seth Manchester bei Machines with Magnets aufzunehmen. Nach der Veröffentlichung des Albums, als Campbell nicht auf Tournee gehen konnte, stieß Tasy Hudson dazu, und die Band verbrachte den Großteil des Jahres damit, ihr 2019er Album A Gaze Among Them zu touren. Im Jahr 2020 machte sich das Kerntrio Ball, Wattie und Hudson erneut auf den Weg zu Machines with Magnets, um ihre fünfte LP VITAL aufzunehmen, die wieder auf Southern Lord erscheint.

    „BIG|BRAVE are big and oceanic, their music flowing and crashing like waves…Robin Wattie’s clear, piercing vocals, which occupy an emotional zone right at the point between ecstasy and abject despair.“ – PITCHFORK

    „BIG | BRAVE have somehow made a ruthlessly loud record that is also fascinating, and consistently elegant.“ – DROWNED IN SOUND

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    AICHER ist das neueste Projekt des in Kopenhagen lebenden Musikers Liam Andrews. Übersetzt bedeutet AICHER „scharf“, „heftig“ und „bitter (vom Wind)“, und die Bedeutung dieses Titels ist passend. Er arbeitet mit der atonalen und monochromen Ästhetik, zu der er sich hingezogen fühlt, und die Einbeziehung des Ortes und Einfluss der Umgebung der kargen skandinavischen Winter erweisen sich als perfektes Gegengift. Unheimliche Hohlräume voll Wind, Einsamkeit und das Knirschens von Eis unter den Füßen bringen die Klanglandschaft des Nordens auf den brutalistischen Pfad, für den er bekannt ist.

    In den letzten zwei Jahrzehnten hat Andrews mit der Industrial-Band MY DISCO verstärkte Gitarrenmusik erforscht und arbeitet seit kurzem mit Karl O’Connor (Regis, Downwards Records) und Boris Wilsdorf (Einstürzende Neubauten) als EROS zusammen. Die Arbeiten von AICHER konzentrieren sich auf die Wiederverwendung von Nebengeräuschen. Er stützt sich auf seinen Katalog von bereits Der Künstler greift auf sein Archiv an bereits aufgenommenem Material zurück (mit E-Bass als dominierendem Instrument) und übersetzt es in Kompositionen mit detailliertem Feedback-Ausdruck und tiefstem Klangdruck.

    Das Ergebnis ist eine Sammlung von Klangbewegungen, die sich mit generativer Computersoftware neu vorgestellt wurden. 2023 wird AICHER das zum ersten Mal als Live-Performance umsetzen.

     

  • 02.07.22 Divide And Dissolve

    Anfang Juli kommt ein fantastisch gewaltiges Doom Metal-Ungetüm auf euch zu: DIVIDE AND DISSOLVE kommen in die Kantine!

    Samstag, 02.07.22 Kantine

    Divide And Dissolve

    Einlass 20:30, Beginn 21:00 Uhr
    Eintritt: Abendkasse: 15 – 20€ (Zahl was du kannst) / Vorverkauf zzgl. Gebühr: 15€, Ticketlink

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    „Ein brutales Avantgarde-Doom-Metal-Monster, das die großen politischen Themen unserer Zeit behandelt.“ (Deutschlandfunk Kultur)

    „Die beiden Musikerinnen stellen eher ambivalente Fragen: Wie schwer können Gitarren eigentlich klingen? Und zugleich doch nahezu schwerelos? Wie breitbeinig kann ein Riff sein und doch dahinschweben? Das Ergebnis sind Klanglandschaften von erhabener Brutalität und versunkener Schönheit, die ebenso aus klassischer Musik wie aus dem Metal schöpfen, so sehr Meditation sind wie Ekstase.“ (Musikexpress)

    „Reeds bassiges Stahlseiten-Gewühl verzahnt sich dabei mit jazziger Verspieltheit und Nehills tonnenschwer synkopierten Drums zu einem transzendentalen Sound-Erlebnis …. ruinöses Mahlen im Geiste einer spirituellen Ausgabe von Sunn O))) oder Earth“ (Plattentests)

    Von den frühen Protestsongs, die aus der gewaltvollen Besetzung von Turtle Island (den sogenannten Vereinigten Staaten) hervorgingen, bis hin zum Kampf der Punk-Musik gegen das System stand Kunst schon immer an der Spitze des gesellschaftlichen Wandels. Ob durch gezielte Angriffe oder etwas Existenzielleres – leise gesungen oder so laut wie möglich vorgetragen – Musik ist nach wie vor ein Sprungbrett für kollektiven Widerstand.

    Dennoch nutzen nur wenige Bands ihre Stimme und ihre Plattform so kraftvoll wie Divide and Dissolve. Die beeindruckende Takiaya Reed (Saxophon, Gitarre, Live-Effekte) und Sylvie Nehill (Schlagzeug, Live-Effekte) tragen ihren Kampf und den ihrer Vorfahren jeden Tag weiter und nutzen die Kraft ihrer Auftritte, um die Aufmerksamkeit auf den anhaltenden Kampf gegen systemische Unterdrückung zu lenken.

    „Wir möchten einen radikalen Wandel im derzeitigen Paradigma der Selbstgefälligkeit in Bezug auf unterdrückerische Machtdynamiken, Völkermord, Rassismus, weiße Vorherrschaft und Kolonialisierung beobachten“, sagt die Band. „Wir wollen den Stimmen, die traditionell unterdrückt und kriminalisiert werden, bevor sie Wort kommen, mehr Gewicht verleihen und sie anerkennen.“

    Mehr Pressestimmen:

    „Air-raising, earth-splintering tracks of heavy doom, drone metal and desolate jazz … There’s an unnerving magic and beauty that plays throughout their harsh noise, like a dense mist lifting off a still river.“ (NME)

    „This group means a lot – they’re a tacit reminder that metal’s expressive potential is limitless. Fuck the man-babies: Divide and Dissolve are the coolest thing to happen to metal since Deafheaven.“ (Loud And Quiet)

    „Guitarist Takiaya Reed and drummer Sylvie Nehill use sirening saxophones and blown-out drone metal to set systemic injustices ablaze.“ (Pitchfork)

    „The new Divide and Dissolve album may be pitched at fans of James Baldwin, Octavia Butler, and Toni Morrison, but – whisper it – it is also a really good sludge record“ (The Quietus)

  • SHARI VARI + TOM WU | 04.12.19 Desi

    Mittwoch, 04.12.19 Desi

    SHARI VARI

    Dunkel, elektrifizierend, samtig, verrucht – Helen Ratka und Sophia Kennedy mit Club-Pop vom Feinsten (Hamburg)

    TOM WU

    Psychedelic-Electro-Drum-Music for People from Outta Space (Echokammer / Cut Surface, München)

    Einlass 20:30, Beginn 21 Uhr

    Eintritt: Abendkasse: 14€, Vorverkauf. zzgl. Gebühr: 11€  

    Photo: Carmen Scholle
                   

    SHARI VARI ist ein Duo aus Hamburg, das aus Helen Ratka (Ratka ist auch ihr DJ Name als Golden Pudel Resident und als qp/Spine Lab macht sie AV-Kunst) und Sophia Kennedy besteht. Ja, die Sophia Kennedy, die 2017 schon ein super Album auf DJ Kozes Pampa Records rausgebracht hat. Beide sind auch noch Visual Artists, und wir könnten jetzt noch über alles mögliche rumschwärmen, aber hier soll es um ihr neues gemeinsames Projekt SHARI VARI gehen, das ein wirklich fantastisches Urban Club Pop-Debutalbum rausgebracht hat: Now heißt es und ist auf Malka Tuti erschienen und ihr werdet den Songs zweifelsohne auf etlichen Dancefloors wiederbegegnen.

    Wer schon längst auf ein Electroclash-Revival gewartet hat, wird hier nicht nur Spuren davon finden, sondern auch süchtig werden. „Dance Alone“ sei hier ein Reinhörtipp. Suicide und ihr new-waviger Rockabilly klingen immer wieder an, aber das hier ist auch ganz anders: dunkler, elektrifizierender, samtiger, verruchter, wagt sich auch tief ins Chansonhafte. Die Songs sind Geschichten, stehen in der Tradition von US-Storytelling, lassen verschiedene Charaktere über ihr fiktionales Leben, ihre Lage singen. Zwischen Club Music und Pop Song liefern SHARI VARI exotischen Synthpop, kosmische Electronica, Proto-Techno, House, krautiger Wave – Musik zum Hineinfallen lassen und tanzen, kommt und genießt!

    „Sie sind das Beste, was dem deutschen Pop seit 836 Jahren passiert ist. … Der Schluckauf-Elektrobilly von Suicide trifft die kühle Distinguiertheit von Discques-du-Crépuscule-Veröffentlichungen der 80er. Kunstliedhafte, fast barocke Momente münden in tribalistischem Getrommel. DIY-Elektronik knallt auf mysteriöse Neo-Noir-Atmosphären. Kiefernwälder wiegen sich im Wind, irgendwo flattert ein roter Samtvorhang. … Besser kann’s kaum werden in diesem Jahr mit der Popmusik.“ Rolling Stone

           

    Auftritte von Tom Wu sollten ausschließlich in Kellerclubs stattfinden. Kellerclubs, in die man hinabsteigen muss, als würde man in die Abgründe unserer Psyche hinabsteigen. Kellerclubs ohne Licht, als würde man sich in den düstersten Ecken unserer Gedanken befinden. Kellerclubs ohne Licht, bis auf ein Strobo, das Bilder von Menschen in Ekstase zeigt, zerhackt in Momentaufnahmen. Denn genauso wirkt die neue Platte des Münchner Schlagzeugers und Sängers: Wie eine Reise ins Unbewusstsein, wie eine besonders schwarze Nacht auf etwas zu starken Drogen.

    Auf „All You Want“ (Echokammer / Cut Surface), seinem zweiten Album nach dem Debut von 2014 klingt Tom Wu noch bedrohlicher, noch schneller, noch entschlossener. Er macht aus seinen Synthies dröhnende Kampfflugzeuge („Johnny Doe“), trommelt über Ausschnitte von Kampfszenen alter Kung Fu-Filme („Wintermute“), schreit fast mehr als er singt („Cocaine Champagne“). Und das alles simultan, Tom Wu singt, spielt Schlagzeug und bedient Synthies gleichzeitig. Allerdings nicht als Zirkusnummer, sondern weil er’s nun mal kann und weil er eine ganz klare Vision seiner Musik hat: Energisches Trommelspiel, schwere Synthie-Bässe, psychedelische Synthie-Flächen, ein Trompetenriff hier, eine Flötenmelodie dort, und über allem Tom Wu’s dringlicher, klagender, verzweifelter Gesang. Das Ganze erfüllt von einer ganz eigenen New Wave- Kühle, die im Unterschied zu vielen anderen zeitgenössischen Bands kein cooler Move ist, nicht nur gespielt, kein Pastiche, sondern echt und inhaltlich zwingend. Denn Tom Wu hat etwas zu sagen, und zwar über Dinge, über die die wenigsten gerne ehrlich sprechen, geschweige denn singen: Über verdrängte Ängste, Obsessionen, Begierden, über Sex, Hedonismus, die Nacht.

    In „Cocaine Champagne“ etwa ist vom ersten Ton an klar: Wir sind hier nicht auf einer safen Detox-Party, auch auf keinem immer gleichen Club-Abend, hier hat die Nacht noch Abgründe, hier kann die Euphorie jeden Moment in Paranoia umkippen. „Please Baby, Smile“ entführt uns mit seiner zauberhaft schauderhaften Jahrmarkt-Melodie in die Gedankenwelt eines psychopathischen Horrorclowns: I want to see you happy – for a while. Im Titelsong „All You Want (Is Just a Little Something)“ wird sexuelles Verlangen des einen zu sexuellem Erwartungsdruck des anderen; im Video dazu werden Höchstleistungs-Porno-Szenen auf den nackten Körper von (nicht nur) Tom Wu projiziert.

    Diese Musik will eigentlich so gar nicht zum sauberen Schicki-Micki-München passen (obwohl es gerade dort natürlich so einige Abgründe gibt…). Um so besser passt sie zum die wildesten und schönsten Blüten treibenden Underground dieser Stadt. Ein Underground, den Tom Wu selbst mit geprägt hat am Schlagzeug, einst für Kamerakino, heute für u.a. Das Weiße Pferd, Parasyte Woman oder das Honky Tonk Movement. Ein Underground,
    aus dem schon Acts wie Pollyester, Friends of Gas oder Leroy hervorgekrochen kamen.

    Wie die beste gute Musik schießt die Musik auf „All You Want“ auch beziehungsreiche Pfeile in die verschiedensten Richtungen ab: Zur H.P. Lovecraft-Kurzgeschichte „Die Musik des Erich Zann“, zu Chuck Berry’s Klassiker „Memphis, Tennessee“, zum William Gibson-Roman „Neuromancer“. Und zum griechischen Jüngling Ganymed, Ikone der Schönheit und Homoerotik, als den die Künstlerin Anna McCarthy Tom Wu auf dem Albumcover inszeniert.

    Neben Tom Wu (Schlagzeug, Gesang, Produktion) sind The Notwist’s Micha Acher (Trompete auf „All You Want“), Dizzy Errol (Gesang und Gitarre auf „Memphis, Tennessee“) und ex Franz Ferdinand-Gitarrist Nick McCarthy (Gitarre auf „Cocaine Champagne“) zu hören. Gemischt wurde „All You Want“ in den Londoner Sausage-Studios von Sebastian „Seb-I“ Kellig, der u.a. schon für „La BrassBanda“ tätig war und dort zusammen mit Nick McCarthy eigene Produktionen wie „Das Lunsentrio“ oder „Manuela“ fabriziert.

    Wir freuen uns, ihn nun endlich mal auch live nach Nürnberg holen zu können!

  • THE CHAP + MIRA MANN | 21.01.20 Desi

    Dienstag, 21.01.20 Desi

    THE CHAP

    Experimental Pop, Electronica, Krautrock (London)

    MIRA MANN

    Bassistin und Sängerin von CANDELILLA auf Solopfaden

    Einlass 20:30, Beginn 21 Uhr

    Eintritt: Abendkasse: 14 €, Vorverkauf. zzgl. Gebühr: 12 €


    Foto: Stephanie Piehl

           

    In naher Zukunft, wenn Algorithmen Gefühle haben, werden sie all unsere Musik schreiben. Wenn sie versuchen, Popmusik zu schreiben, die so klingt, als wäre sie 2019 von talentierten Europäern gemacht worden, wird das vielleicht etwa wie Digital Technolog yklingen, das siebte Album von The Chap, das die Band im Lauf der letzten drei Jahre in London und Berlin aufgenommen und produziert hat.

    Nach 2015’s The Show Must Go – The Chaps Erkundung des Idioms „politische Rockmusik“ – ist Digital Technology wohl das bisher schönste Album der Band, das Abgründe persönlicher als auch entpersonalisierter Natur erkundet, nach innen blickt oder aber hinaus in die riesige große Leere, weniger auf eine konkrete politische Fläche.

    So könnte man etwa das Schlusslied Don’t say it like that, welches seine Titelzeile immer wieder wiederholt, während sich ein Techno-Beat und einfache Synth-Arpeggios in trauriges Ambiente auflösen, aus verschiedenen Perspektiven betrachten: ein streitendes Paar, ein Erwachsener, der ein Kind tadelt, ein Social Media-Kommentar über Hate Speech. Bring your dolphin ist hingegen ein leicht surrealer und melancholischer Popsong über Delfine, Romantik und Weltschmerz, dessen Text aber auch einen versteckten Hinweis auf die Todesstrafe enthält. So lauert hinter erhabenem Ambiente die Dunkelheit, und Tonzertrümmerung birgt Spaß. Pea Shore – der erste Track des Albums, der von einem Video begleitet wird, ist schnell, aber verträumt. Im Lied heißt es „Poetry is not for me in your face“.

    Jennifer Walshe, die hier Regie führte, ist bekannt als Komponistin, Performerin und Multimedia-Künstlerin – zu ihrem Oeuvre gehören Aisteach, eine fiktionale Geschichte der Avantgarde-Musik Irlands und die Oper TIME TIME TIME, eine Zusammenarbeit mit dem Philosophen Timothy Morton und MC Schmidt alias Matmos.

    I am the emotion wiederum beherzigt die frühe Leitlinie von The Chap, Musik zu kreieren, die „falsch klingt“: eine Art wortreiche World-Techno-Pop-Hymne über emotionale Emanzipation, gesungen von Opa, nachdem er soeben Autotune entdeckt hat. Typisch The Chap! So auch Albtraum-Disco-Hymnen wie Merch, I recommend you do the same oder Toothless fuckface. Aber anderswo zeigt der Algorithmus eine versöhnlichere Seite: „Help mother / with her stuff“, fleht er in Help mother. Und bringt in Harddas Gefühl von Machtlosigkeit und existentieller Sinnlosigkeit auf den Punkt. Es ist unmöglich, sich nicht in Digital Technology zu verlieren. Ähnlich dem Titel klingt und fühlt sich das Album an wie ein veraltetes Versprechen, eine zeitgemäße Angst und eine sehr seltsame Zukunft – fast wie die Perspektive eines Teenagers. Wie damals, als Verwirrung und Traurigkeit noch Spaß machten.

        

    „Deine Augen fragen: stimmt’s? Meine Augen sagen ja.“ Auf Schau mir in die Augen, der Solo-Debütsingle der Münchner Musikerin und Schriftstellerin Mira Mann geht’s um den Moment des Kennenlernens, stripped down auf die unmittelbare Sinneswahrnehmung, wenn man jemanden sieht, riecht, spürt, hört, vielleicht zum ersten Mal, wenn alles noch ganz einfach und klar ist. Schau mir in die Augen ist die ironiefreie Erzählung eines ersten Kompliments, der Verletzlichkeit und des leichten Ekels, der darin liegt, aber auch der Schönheit und der Intensität dieses Moments. Es ist ein unmittelbares Liebeslied, das Jahrzehnte kultureller Dauerbeschallung romantischer Bilder und Narrative ausblendet und das Thema zwischenmenschlicher Begegnung sowohl musikalisch als auch inhaltlich auf das Notwendige herunterbricht. Es ist auch der allererste Song, der gemeinsam mit Komponist und Produzent Ludwig Abraham entstanden ist. Zusammen haben sie die Texte Mira Manns auf eine Art vertont, die irgendwo zwischen Spoken Word Performance und Geniale Dilletanten liegt.

    Im Oktober 2019 erschien Mira Manns Debüt-EP Ich mag das. Auch die anderen 5 Tracks darauf zeichnen sich durch diese rohe und karge Sprache und ihre minimalistisch-percussivlastige Vertonung aus. Phantasie- und Sprachbilder schieben eine unwirkliche Ebene ein, die sich vielleicht als dirty surrealism (in Anlehnung an den nordamerikanischen Begriff des dirty realism) fassen lässt. Das ist kein Zufall, die Texte aller Lieder wurden aus Mira Manns Gedichtband Gedichte der Angst (parasitenpresse 2019) entwickelt. Dabei wurde Platz gelassen für Spontanes und Experimente, für Fehler und Unregelmäßigkeiten. Es sind Songs entstanden, die Lyrics liegen jedoch locker auf dem Beat. Der Text kommuniziert eigenständig und auf Augenhöhe mit der musikalischen Interpretation Abrahams. Ich mag das ist eine ungeschliffene Sammlung von Gefühlen und Gedanken, getrieben, suchend, fassungslos. Die Gedichte der Angst enden mit dem Satz: Ich will meine Angst nicht verstecken. Ich mag das denkt diese Haltung weiter und feiert die Kraft der Verletzlichkeit.

    Mira Mann ist Bassistin und Sängerin der Band candelilla, Herausgeberin des Magazins Ultra Soft, veröffentlichte Texte in Das Wetter, Tegel Media oder der Süddeutschen Zeitung. 2019 erschien ihr Gedichtband Gedichte der Angst im Verlag parasitenpresse. Ludwig Abraham arbeitete als Komponist bisher am Staatstheater Darmstadt, dem Theater Bremen und den Münchner Kammerspielen. Als Regisseur und Komponist arbeitet Abraham außerdem für den Rundfunk und freie Theater- und Musikprojekte in Europa und Amerika. Ab Sommer 2019 ist er als Musiker Mitglied des neuen Ensembles am Schauspielhaus Zürich. Für Konzerte ist Ludwig Abraham Teil der Gruppe International Music.

    Foto: Thomas Gothier

  • BODY OF LIGHT + WRONG BODY | 21.11.19 Z-Bau

    Donnerstag, 21.11.2019 Z-Bau (Roter Salon)

    BODY OF LIGHT

    Synth-Pop / Dark Wave  (Arizona), der Glamour von 80s Pop mit dem Sleaze der frühen 90s NYC Dance Music

    WRONG BODY

    Traurig-entrückter Synth-Pop, Goth Crooner Projekt von Dino Spiluttini (Wien)

    Einlass 20:30, Beginn 21 Uhr
    Eintritt: Abendkasse: Zahl was du kannst zwischen 10-13 €, Vorverkauf. zzgl. Gebühr: 11 €  

               

    BODY OF LIGHT, von den Brüdern Andrew und Alexander Jarson schon 2012 in der staubigen Wüste von Tempe, Arizona, gegründet, entwickelten die beiden, die auch Mitbegründer des Ascetic House Kollektivs sind, sich von Drone-Experimentalanfängen hin zum heutigen soundbewussten Synth-Pop, der den Glamour von 80s Pop mit dem Sleaze der frühen 90s NYC Dance Music vereint. Boomkat schreibt: „Depeche Mode meets early Joey Beltram auf einer Clubnacht mit Stranger Things-Motto“.

    Ihre Musik spiegelt nicht nur ihre individuellen Persönlichkeiten, sondern schöpft auch aus den gemeinsamen Erfahrungen der beiden Brüder. Als langjährige Fans und Macher aller möglicher elektronischer Musik mischen sich Elemente aus New Wave, Freestyle, Grunge, Goth und Techno in ihre Werke, als ob alte Radiosignale in Raum und Zeit wie im PingPong voneinander abprallen. Eindringliche Keyboards, anschwellende Pads, und hämmernde Drums prägen ihre Musik während Alex mystisch-romantische Texte hineinwebt. Sie erweisen sich als ein Duo, das perfekt für den Dancefloor ist, ohne Angst vor Trend oder vorübergehenden Moden – Synth-Pop Hymnen, erotische Ästhetik und zügelloser Hedonismus.

    Auf ihrer aktuellen LP „Time to Kill“ (2019) verfeinern Body of Light ihren kalten und treibenden Synth-Pop mit einer mutigen Soundpalette und einem Fokus auf neuentdeckte Technik und Sinn: Verschwurbelte Tape-Loops, Samples aus abgenutzten VHS-Aufnahmen ihrer Kindheit, primitive Waveformen. Wie der bleiche digitale Blick der Vielheit von Geräten, die unsere täglichen Leben umgeben, weben die Songs Geschichten von Liebe und Besessenheit in eine Ära des digitalen Bondage und flüchtiger Begeisterung. Das heißt nicht, dass das Album eine pessimistische Botschaft trägt, es soll uns eher daran erinnern, wie wichtig unsere Zeit ist.

     

           

    Traurig-entrückter Synth-Pop, wunderschön dunkel, verhallt und abgründig, so klingt WRONG BODY, das Goth Crooner Projekt von DINO SPILUTTINI, dem Wiener Komponisten elektronischer Musik, der sonst eher für seine Ambient und Drone Soundmanipulationen bekannt ist, die nicht weniger melancholisch und dramatisch daherkommen und zum Eintauchen einladen. Als WRONG BODY gibt er sich ganz dem wavigen Düsterpop hin und entführt in hypnotische Abgründe der Agonie, des Verlassenseins, der Liebe.

  • DIE LINKE PARTY feiert 25 Jahre Antifaschistisches Aktionsbündnis Nürnberg

    Mittwoch, 02.10.19 Kantine

    DIE LINKE PARTY feiert 25 Jahre Antifaschistisches Aktionsbündnis Nürnberg

    Solifestival zum 25. Geburtstag des AAB Nürnberg
    Konzerte, Soliparty und viele Specials

    Einlass 20 Uhr, Beginn 21 Uhr
    Eintritt: Zahl was du kannst zwischen 5 – 10 €

    Live:

    Nitro Injekzija

    DIY-Punkrock//Berlin

    Blockwart & Basur

    Zeckenrap//Berlin u.a.

    DJs:

    Cheap Thrills

    HipHop/Trap//Nürnberg

    Carmony Wrestlemeier

    Trap//Nürnberg, Karlsruhe

    Comandante Manolo

    Technopunkzeckenraptrap//Nürnberg

    Elena

    Feminist HipHop//Nürnberg

    Bakuzap

    Ravepunk & Riotdisco//Nürnberg

  • TACOCAT + TWEN

    Montag, 09.09.19 Kantine

    TACOCAT

    Pop Punk, Indie, Surf Music (USA)

    TWEN

    Irgendwo zwischen Psych-Rock und Dream-Pop, mit einem Schuss Surf

    Einlass 20:30, Beginn 21 Uhr
    Eintritt: Abendkasse: Zahl was du kannst zwischen 11 – 15€, Vorverkauf. zzgl. Gebühr: 11€

    Präsentiert von Radio Z, gaesteliste.de, testspiel.de, ByteFM, The Postie

    Tacocat Plakat von Philip Manthey

    Plakat: Philip Manthey

             

    Nur drei Termine:
    9. September: Nürnberg, Kantine
    10. September: Berlin, Marie-Antoinette
    11. September: Hamburg, Goldener Salon

    „This Mess is a Place“ ist das vierte Album von Tacocat und ihr erstes auf Sub Pop. Die Seattle-Band erwachte am Morgen nach den Wahlen 2016 und musste herausfinden, wie man auf eine neue Realität reagiert, in der sich das Böse nicht unter der Oberfläche versteckt, sondern mit neuen Tragödien und Bürgerrechtsangriffen, die jeden Tag den Nachrichtenticker füllen, an der Front und im Zentrum von allem steht.

    „What a time to be barely alive“ beklagt „Crystal Ball“, ein Pop-Juwel, das die intimere Seite der emotionalen Reaktion auf den Nachrichtenzyklus untersucht.

    Wie kämpft man weiter, wenn man den ganzen Tag nur im Bett bleiben will? Obwohl die gegenwärtigen Realitäten deprimierend genug sind, um jeden dazu zu bringen, tausend Jahre lang unter die Decke zu kriechen und zu schlafen, machen Tacocat, was sie immer am besten getan haben: Helligkeit, Energie und Hoffnung mit politischer Kritik zu vermischen.

    „This Mess is a Place“ ist von einer Hoffnung durchsetzt, die im krassen Gegensatz zur Musik steht, die Apathie, Verzweiflung und Benommenheit feiert.

    Tacocat reagieren mit purer Empathie, ob sie nun Oden an die magischen Verbindungen singen, die wir mit unseren Haustieren haben („Little Friend“), oder sich vorstellen, wie eine bessere Erde aussehen könnte („New World“), oder versuchen, Humor in einer völlig unheimlichen Welt zu finden („The Joke of Life“).

    Es ist ein herrlich kathartischer Moment und der Grundstein der Platte, wenn sie in „Grains of Salt“ ausrufen: „Don’t forget to remember who the fuck you are!“ Produzent Erik Blood (der auch den Vorgänger „Lost Time“ produziert hat) bringt die Band in ihr volles Pop-Potenzial, bewahrt aber dennoch das, was Tacocat so besonders macht: Sie sind vier Freunde, die sich als junge Punks kennengelernt haben und zu einer wirklichen Band zusammengewachsen sind.

    Wunderschöne Musik irgendwo zwischen Psych-Rock und Dream-Pop, mit einem Schuss Surf. Direkt aus dem DIY Underground. Die Band Twen ist in der Bostoner DIY-Punk-Szene geboren und aufgewachsen, wo sich Leadsängerin Jane Fitzsimmons und Gitarrist Ian Jones trafen, bevor sie nach Nashville zogen. Sie nahmen ein Live-Tape ihrer ersten Show in einem Bostoner Keller namens Twen Live auf, und obwohl es nicht für eine Veröffentlichung vorgesehen war, tourte die Band mit der EP in den letzten zwei Jahren nonstop. Es dokumentiert nicht nur die klangliche Entwicklung der Band seit ihrer Gründung im Jahr 2017, sondern zeigt auch, wie weit sie gekommen ist. Tweng werden ihr Debütalbum Awestruck am 20. September über Frenchkiss Records veröffentlichen.

  • BIG‡BRAVE + MY DISCO

    Donnerstag, 16.05.19 Kantine

    BIG‡BRAVE

    Minimalistischer Avant-Rock, intensiver Heavy-Drone/Doom/Sludge-Rock. Raum, Lautstärke, rohe Emotionen. (Southern Lord Rec., Montreal)

    MY DISCO

    Folterkammer-Ambient. Metallische Industrial-Percussion trifft mit wuchtig-bassigen Drones mitten in die Magengrube (Downwards Rec., Australien)

    Einlass 20:30, Beginn 21 Uhr
    Eintritt: Abendkasse: Zahl was du kannst zwischen 13-17€, Vorverkauf. zzgl. Gebühr: 13 €

    Seit 2012 gibt es BIG‡BRAVE schon, eine Band aus Montreal, die für wahrhaft schwergewichtigen Zeitlupen-Rock steht, für Sludge, Minimalismus, Slowcore, irgendwo Richtung GODSPEED! YOU BLACK EMPEROR, SHELLAC und SWANS. Heavy experimental Rock von Leuten, die schon auch das Feingefühl für doomige Drones und ausgefeilte Feedbackorgien haben.

    Neben doomiger Rhythmik, grollenden Drones und beißendem Gitarrenfeedback als integralem Bestandteil des Klangspektrums sticht vor allem die Stimme von Robin Wattie hervor und macht den Sound von BIG‡BRAVE so unverwechselbar. Diese arbeitet mehr mit Ausdruck und Emotion denn mit klassischen Melodielinien, was auf der einen Seite in ihren introvertierteren, fast lieblichen Momenten einen spannenden Kontrapunkt zur dystopischen Instrumentierung darstellt, sich aber insgesamt absolut harmonisch in den eher atonalen Sound der Band einfügt.

    Ohnehin spielt Dynamik bei ihnen eine kritische Rolle: mal dominiert das zäh und stoisch groovende Schlagzeug, mal frönen die Gitarren solistisch ausufernden Drones, bis wieder die Vocals im Zentrum des Geschehens stehen – und alles das, ohne sich davor zu scheuen, auch Stille ihren Platz einzuräumen. BIG‡BRAVE erforscht die Möglichkeiten wie eine Band klingen kann, während sie konstant den Charakteristika von Songstruktur und -form widersteht – spektakulärer, invertierter Rock, der um einige Größenordnungen fetter klingt, als man es einem Trio zutrauen würde.

    Im Mai kommt auch ein neues Album und wir können’s kaum erwarten.

    photo: Rachel Cheng

    „BIG|BRAVE are big and oceanic, their music flowing and crashing like waves…Robin
    Wattie’s clear, piercing vocals, which occupy an emotional zone right at the point between
    ecstasy and abject despair.“ – PITCHFORK

    „BIG | BRAVE have somehow made a ruthlessly loud record that is also fascinating, and
    consistently elegant.“ – DROWNED IN SOUND

    MY DISCO sind als unglaublich wuchtige Liveband bekannt, die Definition von körperlichem Konzerterleben. Präzision und Minimalismus prägen ihre Herangehensweise. Erinnerte ihr früheres Schaffen an eine Art minimalistischere SHELLAC (Albini produzierte auch die vergangenen Alben), antirockistischen Präzisions-Postpunk, haben sie nun mit ENVIRONMENT ein neues Album geschaffen, das konsequent ihr Erforschen von Raum in der Musik fortschreibt, aber den Rock beiseitelegt und eher an RAIME als an SHELLAC denken lässt: Wabernde Soundwände, zerklüftete Industrial-Sounds, bis auf die Knochen nagende basslastige Drones, düsterer Folterkammer-Ambient, scharfkantig und dissonant, fiebrig glühende Synthieverzweiflung und kalte metallische Percussion. Eine meisterhafte Entführung ins Zentrum eines Sturms.

  • RAYS + CURRENT AFFAIRS

    Mittwoch, 10.07.19 Kantine

    RAYS

    Melodischer Indie-Punk, Schrammelpop, DIY Garage Pop (USA, Oakland)

    CURRENT AFFAIRS

    Post-Punk, New Wave, Goth (Glasgow)

    Einlass 20:30, Beginn 21 Uhr

    Eintritt: Zahl was du kannst zwischen 10-13€

    Poster von Philip Manthey

     

    Während ihr Debutalbum noch an Post-Punk à la The Fall oder Wire erinnerte, ist das neue Album von RAY, You Can Get There From Here, ein Sprung von der drahtigen Wut zu super-charming, melodischem Indiepunk, Schrammelpop und DIY Garage Pop in der Tradition von Buzzcocks oder Teenbeat Rec.-Bands wie Unrest, mit einem echten Händchen für Hooks. International Pop Underground going strong!

    Schimmernde Schrammeleien im Licht eines pop-verliebten, dem UK-Gitarren-Pop-Punk, Bands wie Television Personalities, Cleaners from Venus oder auch den Gitarren der Feelies huldigende Band, die eine*n mit ihrem spröde-spritzigen Gitarrensound, einer Mischung aus Melodieverliebtheit und psychedelischer Einlullungstaktik um den Finger wickelt und dabei auch noch etwas Post-Punk zu ihren sympathisch ungelenken Underground-Pop-Sensibilitäten hinzufügt.

         

    Herrlich drahtiger Post-Punk aus Glasgow mit einer tollen treibend-voranhämmerndern Beat&Bass-Section und flirrender Gitarre und soulful-but-gothic klingender Sängerin, bisschen Siouxsie And The Banshees, bisschen Slits, bisschen Raincoats, bisschen B-52s, bisschen The Cure, bisschen Josef K. Mit Leuten von The Royal We, Seconds, Rose McDowall’s Band, Anxiety, The Downs, Kaspar Hauser und Shopping.

  • YACHT COMMUNISM + POLIZEI

    Freitag, 22.3.19 Kantine

    YACHT COMMUNISM

    Post-Punk und psychedelic Noise-Rock, mit Leuten von Svffer, Dropout Patrol, Henry Fonda

    POLIZEI

    LED-Future-Wave. Handmade. J€$u$/YOLO. XXX.

    HILDEGARD VON BINGE DRINKING mussten leider wegen Krankheit absagen – wir holen sie aber sobald wie möglich nach. Bis dahin: Gute Besserung!

     

    Yacht Communism sind ein Berliner Quartett um Svffer-Frontfrau Leonie, dazu Ex- und immernoch-Mitglieder von Henry Fonda, Dropout Patrol und Trompetenvogel Trondheim. Ihr Sound kombiniert düsteren Post-Punk, angelehnt an Bands wie Unwound, Esben & The Witch, oder auch der psychedelischen Sonic Youth-Seite mit Dub- und Psych-Einflüssen, meist dominiert von dicken Basslines, und dem prägnant-schwebendem Gesang.

    „Heißer Sand. Gleißendes Sonnenlicht. Die Welt ist am Abgrund oder schon weit darüber hinaus. Das Gesetz spielt längst keine Rolle mehr, sämtliches Vinyl ist geschmolzen, ebenso alle anderen Datenträger. Elektronischer Klang gilt als umkämpfte Währung der letzten Überlebenden. Die dreiköpfige Menschmusikmaschine POLIZEI stellt sich dieser Dystopie und stimuliert die Sehnsucht nach rhythmischer Ordnung dort, wo sonst nur destruktives Chaos herrscht.“

  • BUKE AND GASE + SEWICIDE

    Dienstag, 12.03.19 Kantine

    BUKE AND GASE

    Art-Pop, Avantgarde Electronica, Math-Rock, Indie-Folk

    SEWICIDE

    Solo-Performance von Stephanie Müller (Beißpony, OK Decay)

    Einlass 20:30 Uhr, Beginn 21 Uhr
    Eintritt: Abendkasse 15€ / Vorverkauf 12€ zzgl. Gebühr

    Präsentiert von ByteFM, Jungle World, Soundkartell, Curt und Radio Z

       

    Buke and Gase machen Popmusik im verrücktesten Sinne, und dafür haben sie sich gleich fünf Jahre zurückgezogen, um in einer langen Periode ekstatischen Zusammenwirkens, mit Disziplin, die eines Klosters würdig wäre, an neuen Songs zu arbeiten.

    Den beiden fliegen die Genretags nur so zu: Nach ihrer erste EP wurden sie zu einer Indierock-Obsession, die selbst The National (für die sie später auch Instrumente bauten) und der Kultpodcast Radiolab teilten. Ihr Debutalbum wurde als „Steampunk Art-Folk“ bezeichnet und wurde zum Liebling von NPR Music und sie wurden für ein Konzert in der Tiny Desk Concert Reihe eingeladen. Ihr zweites Album sprache gleichermaßen Metal, Math-Rock und Avantgardmusik Fans an und ein Song explodierte als das Näheste an einem Hit, was ein Duo wie Buke And Gase hervorbringen kann: „Houdini Crush“. Mit diesem Album ging die Band dann auch das erste Mal auf Welttour und spielte dabei oft als handausgewählter Support für ein Who’s Who von Musikikonen: Laurie Anderson & Lou Reed, Shellac, Battles, Reggie Watts, Swans, Deerhoof, Owen Pallett und andere mehr.

    Ja, und dann kam die lange Pause. Fünf Jahre.

    Aron und Arone ruhten aber nicht, sondern in ihnen gärte der Wunsch nach Weiterentwicklung. Sie zogen nach Hudson, New York, und begannen die Arbeit an ihrem dritten Album mit dem Ziel , sich neu zu erfinden, sich wieder ganz ihrer oft harten Arbeitsethik zu verschreiben und ihre Grenzen im Songwriting, der Soundpalette und Performance auszuloten – nicht, ohne dabei nicht auch auf ihre eigenen kreativen Reisen zu gehen. Arone Dyer’s Stimme war das erste, was alle Welt von The National’s Grammy-Album Sleep Well Beast hörte und sie arbeitete mit Mistresses & #dronechoir, und nahm an Justin Vernon and Aaron & Bryce Dessner’s PEOPLE festivals teil, und sang mit Bon Iver & The National im Late Night TV. Aron Sanchez, erfand als Polyphonic Workshop das Instrument Chordstick, eine Mischung aus Gitarre (oder Dulcimer) und Percussioninstrument für Bryce Dessner’s vielgefeiertes “Music for Wood & Strings” Projekt – und er spielte eine zentrale Rolle darin, Insturmente für die Blue Man Group zu produzieren.

    Vor drei Jahren dann, modernisierten und veredelten Buke And Gase ihre Instrumentkreationen, als sie elektronische Musik zu umarmen begannen. Sie entwickelten zusammen Arx, ein Gerät, das ihre Performance revolutionierte, indem es ihnen erlaubte, mit dem Drücken eines Arcade-Knopfes perkussive Sounds zu triggern, Effekte für ihre Instrumente zu ändern, und Gesangsharmonien zu kontrollieren. Sie haben Buke (Bariton-Ukulele) und Gase (Gitarren-Bass) weitestgehend in Rente geschickt. Die Band spielt nicht mehr nur im Sitzen, eine Entdeckung, die auf ihrer großen Tour mit The National im letzten Herbst in Europa enthüllt wurde. Buke And Gase werden nicht mehr von den Instrumenten definiert, die ihnen ihren Namen gaben. Ihr neues Album Scholars find nicht als der Titel ihrer neuen Platte an, sondern als mögliche neue Bezeichnung für die Band.

    Auch wenn ihr distinktiver musikalischer Charakter noch erkennbar ist, umschließen die Songs auf Scholars eine Ausdrucksform, die prägnanter, emotionaler und weniger pervers in seiner Einzigartigkeit ist. Das Album wurde aus über 60 Songs und hunderten von Aufnahmestunden herausverfeinert in ein eindrückliches, konzentriertes 40 Minuten-Dokument. In gewisser Weise resultiert ihre lange Rundreise in einem Sound, der zufällig im selben Gebiet liegt, wie der unserer größten zeitgenössischen Vordenker*innen – James Blake, Björk/Arca, Frank Ocean. Sie haben die selben computer- und synthesizergetriebenen kreativen Tools angenommen, die EDM und Trap funktionieren lassen, während sie in einem komplett ihren eigenen, anderen Soundvorstellungen entsprechenden Universum existieren.

     

    Stephanie Müller ist Visual Artist und Soziologieforscherin mit einer kämpferischen Liebe zu Experimenten und Improvisation. Sie hat einen Master in Kommunikationswissenschaft, Soziologie und Psychologie (LMU München) und post-graduierte in Kunst und Therapie an der Akademie der Bildenden Künste München. Noch während sie studierte startete sie ihr Textil- und Medienprojekt RAG*TREASURE. Damit war sie bei uns schon beim Ladyfest Nürnberg 2005 zu Gast. Stephanie erschafft textile Rauminstallationen, die Performance, Sound und Videokunst beinhalten.
     
    Sie spielt die Singer, eine verstärkte Nähmaschine, die als Musikinstrument benutzt werden kann, seit 2004. Zusammen mit Laura Theis, einer in Oxford lebenden Songwriterin mit einem Hintergrund in Theater und Literatur, hat sie das Experimentalmusikprojekt BEISSPONY ins Leben gerufen. Neben der Singer spielt Stephanie dort auch Schlagzeug und modifizierte Schreibmaschinen, Regenschirme oder Staubsauger. Im Oktober 2013 wurde ihr Debutalbum auf Chicks On Speed Records veröffentlicht. Zu weiteren ihrer Musikkollaborationen zählen A Duet of Amplified Sewing Machines (Nähmaschinenduett), Alligator Gozaimasu und OK Decay. 2016 hat Stephanie ihr eigenes Plattenlabel gestartet, RagRec.
     
    Ihr Soloprojekt heißt SEWICIDE und wir sind sehr gespannt auf ihre Performance.