Schlagwort: Gesellschaft

  • SMART CITIES – Der Traum von der intelligenten Stadt-Maschine

    Sonntag, 14.07.19 Kantine

    Smart Cities

    Der Traum von der intelligenten Stadt-Maschine: Smart City-Initiativen in Europa und Indien

    Vortrag von Christian Eichenmüller mit Q&A und Diskussionsmöglichkeit
    Danach Bar-DJing

    In der Reihe Popgesellschaft, im Rahmen des Nürnberg Digital Festival

    Beginn 18 Uhr
    Eintritt auf Spendenbasis

    In Zeiten des Klimawandels versprechen sogenannte „Smart Cities“ intelligente Lösungsansätze zur Bewältigung von Umweltkrisen und hohe Lebensqualität zugleich. Die Stadt „smarter“ zu machen, so die Befürworter des Konzepts, heißt sie technologisch fortschrittlicher und effizienter werden zu lassen. Durch den Einsatz von intelligenten technologischen Lösungen sollen Ressourcen über Effizienzsteigerungen geschont und ein reibungsloses „Funktionieren“ von Städten gewährleistet werden. Das Versprechen der Stadt als intelligente und effiziente Maschine – lässt sich dieses Versprechen einlösen? Und ist dies überhaupt erstrebenswert?

    Neben der Auseinandersetzung mit den Versprechen der „Smart City“ wird der Vortrag Einblicke in laufende Forschungsprojekte zu konkreten „Smart City“-Initiativen in Europa und Indien geben.

    Christian Eichenmüller ist Doktorand am Institut für Geographie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Er forscht zum Thema Stadtentwicklung und Smart Cities in Indien.

  • Die Gewalt der Musik: Techno und gesellschaftlicher Gehorsam

    Mittwoch, 23.01.19 Kantine

    DIE GEWALT DER MUSIK

    Techno und gesellschaftlicher Gehorsam

    Vortrag von Iris Dankemeyer
    Danach DJs

    20 Uhr
    Eintritt frei, Spende erwünscht

    In der Reihe

    Techno begann als Revolte gegen die Unterhaltungskultur. Die neue Musik wollte nicht mehr als akustische Hintergrundkulisse zur Vermeidung von Einsamkeitsgefühlen vor sich hindudeln oder in Diskotheken als Animiermelodik die Lügen der love songs verbreiten. Sie erschuf dagegen mit konsequent geilem Bumsbeat eine eigene Clubkultur und ein neues Gemeinschaftsgefühl. Wo die Ohren zuvor von bekömmlichen Tönen verweichlicht worden waren, forderte Techno zwingend und kompromisslos Gehorsam. In Berlin wurde aus einer anfangs noch in Tresoren und Bunkern abgeschotteten Subkultur binnen weniger Wendejahre zuerst eine Massenkundgebung mit verzehntausendfachter Mitläuferzahl. Bis heute ist die Partykultur ein Standortfaktor der Kreativindustrie. Die Instrumentalisierung von Techno zur Generalhymne der „arm, aber sexy“- Ideologie hat geholfen, die prototypische Existenzweise des Prekariats gegen deren eigene politische Interessen durchzusetzen. Wer die Arbeitslosigkeit mit dem Ende der Arbeit verwechselt, braucht keine Freizeit und keinen Feierabend zur Kompensation der Arbeitsstunden, sondern ein Nachtleben, das zur neuen Vollzeitaufgabe wird.

    Der Vortrag erinnert an das, was Techno einmal ausdrückte: das Lebensgefühl der untergegangenen Industriestadt Detroit. Hier entstanden die dystopischen Zukunftsklänge zum einen als musikalische Emanzipation von den Standards der „race music“, zum anderen als verzweifelte Reaktion auf die Erfahrung von Verwahrlosung, Armut und Gewalt. Wie konnte aus der Not der amerikanischen „Techno City“ eine Tugend der selbsternannten „Hauptstadt der Clubkultur“ Berlin werden? Und warum eignete sich ausgerechnet die musikalische Negation der Popkultur als Exportschlager und Massenkulturware fürs gesamtdeutsche Gemeinschaftsgefühl? Ist es die Gewalt der Musik, die noch heute Individuen in mythischen Tanztempeln zusammenführt, wo sie sich durch eine gemeinsame Sache glücklich verbunden fühlen und nicht als Konkurrenten durch ein abstraktes Gesetz getrennt?
    Oder ist Techno die Musik der Gewalt, die Hörige in einen konformistischen Kollektivritus zwingt und ihnen das Gesetz der Gesellschaft mit bis zu 150 Schlägen pro Minute einprügelt?

    Zur Vortragenden:

    Iris Dankemeyer studierte Soziologie und Sozialpsychologie in Hannover und Philosophie und Neuere deutsche Literatur in Berlin. Nach dem Ende des Studiums 2008 arbeitete sie als freie Autorin (u.a. für konkret, jungle world, De:Bug, testcard), mit den Schwerpunkten Musik- und Kulturkritik, Feminismus und Neosexualitäten.

    Ab 2010 begann sie, zusammen mit dem Künstler Ernst Markus Stein eine Konzert- und Performancereihe in Berlin und New York zu organisieren. Seitdem richtete sie zahlreiche Veranstaltungen der seltsameren ästhetischen Art aus; beispielsweise das dreitägige Happening „The Will Of An Eccentric“ auf einem Mecklenburger Resthof; zusammen mit der Künstlerin Johanna Daab die installative Abendrevue „DREAMLAND. A Night Of Spectacle“ für die Julia-Stoschek-Collection Düsseldorf; zuletzt das zweitägige Festival „Das Naturschöne“ auf einem Brachland der deutschen Bahn in Hamburg.

    Anschließend schrieb sie von 2013 bis 2017 an der FU Berlin im Fach Philosophie eine Dissertation über „Die Erotik des Ohrs. Musikalische Erfahrung und Emanzipation nach Adorno“. Parallel unterrichtete sie am Design Department der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg („Hegel versus Hollywood: Adorno in Los Angeles“ SoSe 2013/ „Texte zur Veränderung der Welt: Kant, Hegel, Marx, Freud“ WS 2013/14 /“On Popular Music“ SoSe 2014/ „Social Media Is The Message: Alltagsrituale und Bewusstseinsformen der Kommunikationstechnologie“ WS 2016/17).

    Ihre Interessengebiete umfassen vor allem Sozialphilosophie, Dialektik, psychoanalytische Kulturtheorie und materialistische Ästhetik.

    In ihrer freien Zeit versucht sie, das altmodische Handwerk der Zauberei zu erlernen.

    Foto: Matthias Ritzmann

    Plakat: eve massacre